Was Eisen im Körper leistet
Eisen ist vor allem für eine Aufgabe bekannt: den Sauerstofftransport. Im roten Blutfarbstoff Hämoglobin bindet es den Sauerstoff in der Lunge und gibt ihn in den Geweben wieder ab. Im Muskel übernimmt ein verwandtes Eiweiß, das Myoglobin, dieselbe Rolle. Ohne Eisen kommt zu wenig Sauerstoff dort an, wo er gebraucht wird.
Aber Eisen kann noch mehr. In den Kraftwerken der Zellen, den Mitochondrien, ist es an der Energiegewinnung beteiligt. Fehlt es, fehlt den Zellen buchstäblich die Energie. Darum ist Müdigkeit das wichtigste Zeichen eines Eisenmangels, und sie kommt oft lange, bevor das Blutbild etwas zeigt.
Eisen braucht auch die Schilddrüse, denn das Enzym, mit dem sie ihre Hormone herstellt, arbeitet nur mit Eisen. Ein leerer Eisenspeicher und eine träge Schilddrüse treten deshalb häufig gemeinsam auf. Bei manchen sinkt ein erhöhtes TSH wieder, sobald der Speicher gefüllt ist.
Weitere Aufgaben betreffen das Gehirn, wo Eisen für die Bildung von Botenstoffen gebraucht wird, das Immunsystem, dessen Zellen Eisen für ihre Vermehrung brauchen, und die Haarwurzeln, die zu den Zellen mit der höchsten Teilungsrate im Körper gehören. Darum zeigt sich ein Mangel so vielfältig: als Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, Kurzatmigkeit bei Belastung, Infektanfälligkeit, Haarausfall, brüchige Nägel, eingerissene Mundwinkel oder unruhige Beine am Abend.
Ein Eisenmangel entsteht dabei nicht von heute auf morgen, sondern in Stufen. Zuerst leert sich der Speicher, das Ferritin sinkt. Dann wird weniger Eisen im Blut transportiert, die Transferrinsättigung fällt. Erst ganz am Ende bildet der Körper weniger Hämoglobin, und es entsteht eine Blutarmut, die man im kleinen Blutbild sieht. Zwischen dem ersten und dem letzten Schritt können Monate liegen. In dieser Zeit fühlen sich viele schon deutlich schlechter, obwohl das Blutbild noch unauffällig ist. Fachleute sprechen dann von einem Eisenmangel ohne Blutarmut. Genau er wird am häufigsten übersehen.
Von allen Nährstoffmängeln ist der Ausgleich eines Eisenmangels oft am deutlichsten zu spüren. Viele beschreiben, dass der Alltag plötzlich wieder leichter geht.
Warum ein normales Ferritin nicht immer gut ist
Das Ferritin ist der wichtigste Wert, um den Eisenspeicher zu beurteilen. Es zeigt, wie viel Eisen der Körper auf Vorrat hat. Trotzdem wird ein Mangel gerade hier oft übersehen, aus zwei Gründen.
Der erste Grund ist der Referenzbereich. Er reicht in vielen Laboren ungefähr von 10 bis 300. In diesen weiten Bereich fällt fast jeder. Ein Ferritin von 15, 20 oder 30 steht dann als normal auf dem Befund. Schon ein Wert unter etwa 50 gilt aber als Eisenmangel und ist ein Grund zu handeln, auch wenn noch keine Blutarmut da ist. Viele Frauen haben genau diese Konstellation, mit fast denselben Beschwerden wie bei einer Blutarmut, und ihr Eisen gilt laut Befund trotzdem als in Ordnung. Hören unsere Kundinnen zum ersten Mal, dass ihr Speicher niedrig ist, sind viele fast erschrocken, wie lange das schon so sein könnte. Gleichzeitig sind sie erleichtert, endlich eine Erklärung für ihre Müdigkeit zu haben. Wo dein persönlicher Zielbereich liegt, hängt auch von deinen Beschwerden ab, etwa bei Haarausfall oder viel Sport.
Der zweite Grund ist die Entzündung. Ferritin ist nicht nur ein Speichereiweiß, es ist auch ein sogenanntes Akute-Phase-Eiweiß. Bei Entzündungen, Infekten oder einer stillen Entzündung bildet der Körper mehr davon, weil er Eisen vor Erregern verstecken will. Ein Ferritin von 80 kann also einen guten Speicher bedeuten, oder einen leeren Speicher, der durch eine Entzündung nach oben verfälscht ist. Darum lesen wir das Ferritin immer zusammen mit dem CRP und der Transferrinsättigung. Ist das CRP erhöht und die Transferrinsättigung niedrig, kann trotz scheinbar ordentlichem Ferritin ein Mangel vorliegen.
Auch das Eisen im Serum allein hilft wenig. Es schwankt über den Tag stark und hängt davon ab, was du zuletzt gegessen hast. Wer nur diesen Wert kennt, weiß noch nicht viel über seinen Speicher.
Das kleine Blutbild ergänzt das Bild. Bei einem länger bestehenden Eisenmangel werden die roten Blutkörperchen kleiner und blasser. Fehlen gleichzeitig Vitamin B12 oder Folat, die die Blutkörperchen eher größer machen, können sich beide Effekte aufheben. Das Blutbild sieht dann normal aus, obwohl zwei Mängel vorliegen. Darum schauen wir uns diese Vitamine bei Verdacht mit an.
Warum dein Speicher leer ist
Einen Eisenmangel auszugleichen, ist das eine. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, warum er entstanden ist. Sonst ist der Speicher wenige Monate nach dem Auffüllen wieder leer.
Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die Periode der häufigste Grund. Mit jeder Blutung geht Eisen verloren. Ist die Blutung stark oder lang, etwa in der Perimenopause, reicht das Essen oft nicht, um den Verlust auszugleichen. Und ein Eisenmangel kann die Blutungen sogar verstärken, ein Kreislauf, den viele Frauen über Jahre erleben. Sehr starke Blutungen, bei denen du stündlich wechseln musst, Blutungen über mehr als etwa eine Woche oder Zwischenblutungen gehören frauenärztlich abgeklärt.
In der Schwangerschaft steigt der Bedarf deutlich, weil das Blutvolumen wächst und das Kind versorgt werden will. Wer schon mit leerem Speicher schwanger wird, hat es schwer, ihn aufzufüllen. Darum lohnt sich der Blick aufs Ferritin schon bei Kinderwunsch.
Bei Sportlerinnen und Sportlern geht Eisen über den Schweiß verloren, durch die Belastung entstehen kleine Blutverluste, und harte Einheiten bremsen kurzfristig die Aufnahme im Darm.
Die Ernährung spielt ebenfalls mit. Eisen aus Fleisch und Fisch nimmt der Körper deutlich besser auf als Eisen aus Hülsenfrüchten, Getreide oder Gemüse. Wer vegetarisch oder vegan isst, braucht deshalb mehr Planung. Wer insgesamt zu wenig isst, bekommt auch zu wenig Eisen.
Und dann die Aufnahme. Ohne genug Magensäure wird Eisen aus der Nahrung schlechter gelöst. Säureblocker, die über lange Zeit genommen werden, können deshalb die Eisenaufnahme bremsen. Auch eine gereizte Darmschleimhaut oder eine Zöliakie, bei der die Dünndarmschleimhaut geschädigt ist, behindern die Aufnahme.
Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Bei Männern und bei Frauen nach der Menopause ist ein Eisenmangel ungewöhnlich. Hier muss immer ärztlich geklärt werden, ob ein unbemerkter Blutverlust über Magen oder Darm dahintersteckt. Erst danach geht es ans Auffüllen.
Eisen richtig einnehmen
Eisen gehört zu den Nährstoffen, bei denen die Art der Einnahme einen großen Unterschied macht. Mit ein paar Regeln kommt deutlich mehr im Körper an, und die Verträglichkeit wird besser.
Nimm Eisen getrennt von anderen Mineralien. Calcium, Magnesium und Zink konkurrieren bei der Aufnahme mit Eisen. Wer alles auf einmal nimmt, verschenkt einen Teil. Ein paar Stunden Abstand reichen meist.
Lass Kaffee, Schwarztee und Milchprodukte weg, wenn du Eisen nimmst. Die Gerbstoffe in Kaffee und Tee und das Calcium in der Milch binden Eisen und bremsen die Aufnahme. Vitamin C dagegen hilft, etwa ein Glas Wasser mit etwas Zitrone oder Obst dazu.
Mehr ist nicht immer besser. Nach einer Eisengabe bildet der Körper für einige Zeit mehr von einem Hormon namens Hepcidin, das die weitere Aufnahme bremst. Studien zeigen deshalb, dass Eisen in manchen Fällen jeden zweiten Tag besser aufgenommen wird als täglich in hoher Dosis. Wie das für dich aussieht, legen wir in deinem Plan fest.
Achte auf die Verträglichkeit. Manche Eisenpräparate verursachen Bauchschmerzen, Übelkeit oder Verstopfung. Das hängt stark von der Form und der Dosis ab. Wenn du ein Präparat nicht verträgst, gib Bescheid, statt es einfach wegzulassen. Es gibt Alternativen.
Hab Geduld. Ein leerer Speicher füllt sich nicht in zwei Wochen. Je nach Ausgangswert dauert es meist mehrere Monate, bis das Ferritin dort ist, wo es hin soll. Die Beschwerden bessern sich oft früher, weil das Eisen zuerst für den täglichen Bedarf und die Bildung von Hämoglobin und Schilddrüsenhormonen genutzt wird und erst danach in den Speicher wandert.
Nimm Eisen nie auf Verdacht und dauerhaft. Auch zu viel Eisen ist ungünstig. Darum empfehlen wir Eisen nur nach Messung und mit dem Verlauf deiner Werte. Und wenn eine Eiseninfusion im Raum steht, etwa weil Tabletten nicht vertragen werden oder nicht reichen, entscheidet darüber deine Ärztin oder dein Arzt.



