Warum PCOS jetzt PMOS heißt
Im Mai 2026 wurde das polyzystische Ovarsyndrom offiziell umbenannt. Es heißt jetzt Polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom, kurz PMOS. Der neue Name ist das Ergebnis eines jahrelangen weltweiten Abstimmungsprozesses, an dem Tausende Betroffene und Fachleute beteiligt waren.
Der alte Name hat viele Frauen in die Irre geführt. „Polyzystisch“ klang, als ginge es vor allem um Zysten an den Eierstöcken. Tatsächlich haben viele betroffene Frauen gar keine. Und umgekehrt haben manche Frauen viele kleine Bläschen im Ultraschall, ohne dass sie das Syndrom haben. Diese Bläschen sind übrigens keine echten Zysten, sondern Eibläschen, in denen eine Eizelle angefangen hat zu reifen, aber nie bis zum Eisprung gekommen ist.
Der neue Name beschreibt besser, worum es eigentlich geht. „Polyendokrin“ heißt, dass mehrere Hormonsysteme beteiligt sind: die Geschlechtshormone, die Steuerhormone aus dem Gehirn, Insulin und oft auch die Stresshormone. „Metabolisch“ heißt, dass der Stoffwechsel eine zentrale Rolle spielt, vor allem die Insulinresistenz. Und „ovariell“ bleibt, weil die Eierstöcke nach wie vor im Mittelpunkt stehen.
Für dich ändert sich an der Diagnose nichts. Die Kriterien sind dieselben geblieben. Deine Ärztin oder dein Arzt schaut, ob mindestens zwei von drei Merkmalen vorliegen: ein seltener oder ausbleibender Eisprung, ein Zuviel an männlichen Hormonen im Blut oder an seinen Zeichen wie Haarwuchs und Akne, und das typische Bild der Eierstöcke im Ultraschall. Wichtig ist, dass vorher andere Ursachen ausgeschlossen werden, denn auch Stress, eine Schilddrüsenstörung oder das Absetzen der Pille können ähnliche Beschwerden machen.
Was der neue Name aber ändert, ist der Blick. PMOS ist nicht nur ein Zyklusproblem, sondern ein Thema für den ganzen Stoffwechsel. Und genau dort lässt sich viel bewegen. In Deutschland sind je nach Schätzung etwa 6 bis 15 Prozent der Frauen betroffen.
Insulin: der wichtigste Hebel
Bei vielen Frauen mit PMOS steht eine Insulinresistenz im Hintergrund. Das gilt nicht nur für übergewichtige Frauen. Auch schlanke Frauen können betroffen sein, und manche Fachleute vermuten, dass die Eierstöcke selbst empfindlicher reagieren als der Rest des Körpers.
Was passiert dabei? Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen schlechter auf Insulin, und die Bauchspeicheldrüse schüttet immer mehr davon aus. Dieses viele Insulin hat Folgen für die Eierstöcke. Zusammen mit dem Steuerhormon LH aus dem Gehirn regt es sie an, mehr männliche Hormone zu bilden. Gleichzeitig senkt es in der Leber die Bildung von SHBG, dem Eiweiß, das diese Hormone im Blut bindet und damit weniger wirksam macht. Das Ergebnis: Es ist mehr freies Testosteron unterwegs, und das zeigt sich an Haut, Haaren und Zyklus.
Dazu kommt, dass das viele Insulin die Reifung der Eizelle stört. Normalerweise setzt sich in jedem Zyklus ein Eibläschen durch, das dann springt. Bei einer Insulinresistenz kommt diese Auswahl ins Stocken. Viele Eibläschen fangen an zu reifen, keines schafft es bis zum Eisprung. So entsteht das typische Bild im Ultraschall, und der Zyklus wird unregelmäßig.
Die gute Nachricht ist, dass sich die Insulinresistenz gut beeinflussen lässt, und mit ihr oft auch die Beschwerden. Die wichtigsten Hebel sind eine Ernährung mit genug Eiweiß, viel Gemüse und Ballaststoffen und Kohlenhydraten in einer Form, die den Blutzucker nicht hochjagt. Dazu Krafttraining, weil Muskeln Zucker auch ohne Insulin aufnehmen, wenn sie arbeiten, und Bewegung im Alltag, etwa ein Spaziergang nach dem Essen. Auch guter Schlaf und weniger Stress verbessern die Insulinsensitivität.
Wer Übergewicht hat, profitiert oft schon von einem moderaten Gewichtsverlust. Oft wird der Zyklus regelmäßiger, wenn sich das Insulin beruhigt.
Nicht jedes PMOS ist gleich
Wie sich ein PMOS zeigt und was dahintersteckt, ist von Frau zu Frau sehr verschieden. Das ist der wichtigste Grund, warum es keinen Standardplan geben kann. Die meisten Frauen mit PMOS, die zu uns kommen, sind um die 30 und wünschen sich vor allem zwei Dinge: einen verlässlichen Zyklus und ruhigere Haut.
Bei vielen steht die Insulinresistenz im Vordergrund. Diese Frauen haben oft Gewicht am Bauch, Heißhunger und Energietiefs nach dem Essen. Für sie sind Ernährung, Krafttraining und Bewegung die stärksten Hebel.
Bei anderen steht der Stress im Vordergrund. Die Nebennieren bilden unter Dauerstress mehr DHEA, eine Vorstufe, aus der im Körper männliche Hormone werden können. Gleichzeitig sorgt Stress dafür, dass der Eisprung ausbleibt. Diese Frauen sind oft schlank, leistungsorientiert und erschöpft. Für sie wäre eine strenge Diät mit viel Sport genau das Falsche, denn das ist zusätzlicher Stress. Hier geht es zuerst darum, den Körper zu beruhigen: genug essen, gut schlafen, Erholung einplanen und das Training an die Belastbarkeit anpassen.
Eine dritte Gruppe sind Frauen, bei denen die Beschwerden nach dem Absetzen der Pille beginnen. Die Pille hatte den eigenen Zyklus jahrelang stillgelegt und die männlichen Hormone gedämpft. Nach dem Absetzen muss der Körper den Zyklus erst wieder lernen, und das kann dauern. In dieser Zeit können Beschwerden auftreten, die einem PMOS sehr ähnlich sehen, sich aber oft bessern, wenn man den Körper gut unterstützt.
Und bei vielen spielt eine stille Entzündung mit, die eng mit der Insulinresistenz verbunden ist. Entzündung macht die Zellen unempfindlicher für Insulin, und eine Insulinresistenz fördert die Entzündung.
Oft lassen sich diese Typen gar nicht streng trennen. Viele Frauen haben ein bisschen von allem. Darum schauen wir bei jeder Frau genau hin, was bei ihr den größten Anteil hat, und setzen dort zuerst an.
Was neben Insulin noch zählt
Auch wenn die Insulinresistenz oft der wichtigste Hebel ist, gibt es weitere Bereiche, die bei PMOS eine Rolle spielen.
Der Darm ist einer davon. Die Leber verpackt verbrauchte Hormone und schickt sie über die Galle in den Darm, damit sie ausgeschieden werden. Bestimmte Darmbakterien bilden aber ein Enzym, das diese Verpackung wieder aufschnürt. Die Hormone werden dann erneut ins Blut aufgenommen. Bei einem gestörten Mikrobiom kann so mehr Östrogen im Umlauf bleiben, als gut ist. Weil bei ausbleibendem Eisprung auch das Progesteron fehlt, überwiegt das Östrogen dann im Verhältnis, selbst wenn der Wert an sich gar nicht so hoch ist.
Die Nährstoffe sind ein weiterer Bereich. Eisen wird für die Reifung der Eizelle gebraucht, Magnesium unter anderem für die Bildung von Progesteron und für die Insulinsensitivität. Vitamin D, Zink und Omega-3 spielen bei Entzündung und Stoffwechsel eine Rolle. Mit deutlichen Mängeln lässt sich der Zyklus kaum stabilisieren.
Die Schilddrüse ist der dritte Bereich. Sie ist eng mit den Geschlechtshormonen verbunden, und eine Unterfunktion kann den Zyklus zusätzlich stören. Deshalb schauen wir uns ihre Werte immer mit an.
Und schließlich der Lebensstil insgesamt: Schlaf, Bewegung, Rauchen, Alkohol und auch Stoffe aus dem Alltag, die in den Hormonhaushalt eingreifen können, etwa aus manchen Kosmetika oder Plastikverpackungen.
Das klingt nach vielen Baustellen. Oft ist es tatsächlich so, dass sich die Beschwerden spürbar bessern, wenn man die Dinge drumherum Schritt für Schritt in Ordnung bringt. Ein ruhiger Blutzucker, ein gesunder Darm, volle Nährstoffspeicher und weniger Stress geben dem Zyklus die Chance, sich wieder einzupendeln.
