Woran du hormonelle Akne erkennst
Hormonelle Akne sieht anders aus als die typische Akne in der Pubertät. Wer genau hinschaut, erkennt sie oft schon am Muster.
Das erste Zeichen ist der Ort. Hormonell bedingte Pickel sitzen bevorzugt im unteren Gesichtsdrittel, also an Kinn, Kiefer und Mundpartie, oft auch am Hals. Die Stirn und die Nase, typische Stellen der Pubertätsakne, sind dagegen häufig weniger betroffen.
Das zweite Zeichen ist der Zeitpunkt. Die Pickel folgen dem Zyklus. Viele Frauen bemerken sie in der Woche vor der Periode, manche auch rund um den Eisprung. Nach der Blutung beruhigt sich die Haut, bis der nächste Schub kommt. Dieses Auf und Ab ist ein starker Hinweis darauf, dass Hormone im Spiel sind.
Das dritte Zeichen ist die Art der Pickel. Hormonelle Akne bildet oft tiefe, entzündete Knoten unter der Haut, die schmerzen, lange bleiben und selten richtig an die Oberfläche kommen. Ausdrücken lassen sie sich nicht, und wer es trotzdem versucht, riskiert Flecken und Narben.
Das vierte Zeichen ist das Alter. Hormonelle Akne betrifft häufig erwachsene Frauen, auch solche, die in der Jugend kaum Probleme hatten. Sie kann mit Mitte 20 beginnen, nach dem Absetzen der Pille, nach einer Schwangerschaft oder in der Perimenopause, wenn die Hormone wieder stärker schwanken.
Und schließlich die Begleiter. Hormonelle Akne kommt selten allein. Häufig berichten Frauen zusätzlich von einem unregelmäßigen Zyklus, von stärkerem PMS, von dunklen Haaren an Kinn, Oberlippe oder Bauch oder von dünner werdendem Kopfhaar. Auch eine schnell fettende Kopfhaut gehört dazu. Wer mehrere dieser Zeichen bei sich wiederfindet, sollte die Hormone genauer anschauen lassen.
Ein Zyklustagebuch hilft dabei sehr. Notiere über zwei bis drei Zyklen, wann deine Pickel kommen, wann deine Periode beginnt und wie es dir sonst geht. So wird das Muster sichtbar, und die Hormonmessung lässt sich auf den richtigen Tag legen.
Männliche Hormone, PMOS und der Talg
Männliche Hormone, die Androgene, haben auch Frauen. Sie werden in den Eierstöcken und in der Nebenniere gebildet. In der richtigen Menge sind sie wichtig für Antrieb, Muskeln und Lust. Für die Haut sind sie der stärkste Antreiber der Talgdrüsen.
Testosteron und vor allem sein stärkerer Abkömmling DHT docken an den Talgdrüsen an und lassen sie wachsen und mehr Talg produzieren. Gleichzeitig beschleunigen sie die Verhornung in der Pore. Beides zusammen verstopft die Poren, und die Entzündung folgt. Manche Frauen haben dabei gar keine erhöhten Werte, sondern Talgdrüsen, die besonders empfindlich reagieren.
Der häufigste Grund für zu viele männliche Hormone bei Frauen ist ein PMOS. Dabei reifen die Eibläschen in den Eierstöcken nicht richtig aus, der Eisprung bleibt oft aus, und die Eierstöcke bilden mehr Androgene. Ein zentraler Mitspieler ist das Insulin. Viele Frauen mit PMOS reagieren schlechter auf Insulin, und der Körper schüttet deshalb mehr davon aus. Insulin wiederum regt die Eierstöcke zur Bildung männlicher Hormone an. So entsteht ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.
Dazu kommt das SHBG. Dieses Eiweiß bindet Testosteron im Blut und macht es unwirksam. Ein hoher Insulinspiegel senkt das SHBG, und dann ist mehr freies Testosteron unterwegs, selbst wenn der Gesamtwert unauffällig ist. Darum schauen wir bei Verdacht auf hormonelle Akne nie nur auf das Testosteron, sondern immer auch auf das SHBG.
Die gute Nachricht ist, dass sich genau hier viel bewegen lässt. Ein ruhiger Blutzucker senkt das Insulin. Mahlzeiten mit Eiweiß, Gemüse und Ballaststoffen, weniger schnelle Kohlenhydrate und Krafttraining verbessern die Insulinsensitivität. Zink reguliert die Talgbildung und kann den Einfluss der männlichen Hormone etwas abpuffern. Und weil ein PMOS oft mit stillen Entzündungen einhergeht, gehören Omega-3 und der Darm mit in den Plan.
Ob bei dir ein PMOS dahintersteckt, lässt sich nicht an der Haut allein erkennen. Die Diagnose stellt deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt. Wir helfen dir, deine Werte zu verstehen und an den Ursachen zu arbeiten.
Östrogen, Progesteron und die Tage vor der Periode
Warum blüht die Haut ausgerechnet vor der Periode auf? Die Antwort liegt im Wechselspiel von Östrogen und Progesteron.
In der ersten Zyklushälfte steigt das Östrogen. Viele Frauen haben in dieser Zeit ihre schönste Haut, weil Östrogen die Durchblutung verbessert, die Feuchtigkeit hält und den männlichen Hormonen etwas entgegensetzt. Nach dem Eisprung übernimmt das Progesteron. Es wirkt beruhigend und entzündungshemmend. In den Tagen vor der Periode fallen beide Hormone ab. Die männlichen Hormone, die gleichmäßig weiterlaufen, haben dann verhältnismäßig mehr Gewicht, und die Talgdrüsen reagieren.
Bei vielen Frauen kommt ein Ungleichgewicht dazu, das Fachleute Östrogendominanz nennen. Das heißt nicht unbedingt, dass das Östrogen sehr hoch ist. Oft ist das Progesteron zu niedrig, etwa weil der Eisprung schwach ist oder ganz ausbleibt, durch Dauerstress oder in der Perimenopause. Ohne seinen Gegenspieler kann Östrogen Entzündungen fördern, und ein niedriges Progesteron begünstigt zusätzlich die Wirkung der männlichen Hormone. Typische Begleiter sind starkes PMS, Brustspannen, Wassereinlagerungen und Stimmungsschwankungen.
Wichtig ist auch, wie das Östrogen abgebaut wird. Die Leber wandelt es in verschiedene Abbauprodukte um, von denen manche deutlich stärker wirken als andere. Läuft dieser Abbau ungünstig, kann das die Haut zusätzlich belasten, selbst wenn das Östrogen im Blut normal aussieht. Ein Teil des Östrogens wird außerdem über den Darm ausgeschieden. Ist das Mikrobiom gestört, wird mehr davon wieder aufgenommen.
Umgekehrt kann auch zu wenig Östrogen der Haut schaden. Sie wird schlechter durchblutet, trockener und anfälliger für Entzündungen. Bei Hormonen kommt es immer auf die Balance an, nicht auf einen einzelnen Wert.
Was hilft? Ein Eisprung, der gut funktioniert, denn nur dann entsteht genug Progesteron. Dafür braucht der Körper genug Energie, also keine strengen Diäten, dazu guten Schlaf und weniger Stress. Für die Verarbeitung des Östrogens in der Leber helfen viel Gemüse, Ballaststoffe, wenig Alkohol und ein gesunder Darm. Ob zusätzlich eine ärztlich begleitete Gabe von Progesteron sinnvoll ist, entscheidest du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt.
Stress als versteckter Hormontreiber
Viele Frauen bemerken, dass ihre Haut in stressigen Phasen schlechter wird, vor Prüfungen, in einem anstrengenden Projekt oder in einer belastenden Lebenssituation. Auch das hat mit Hormonen zu tun.
Bei Stress schüttet die Nebenniere Cortisol aus. Kurzfristig wirkt Cortisol sogar entzündungshemmend. Bleibt es aber dauerhaft erhöht, kippt das Bild. Chronischer Stress verschiebt die Botenstoffe des Immunsystems in eine entzündungsfördernde Richtung, und eine entzündungsbereite Haut reagiert darauf mit mehr und stärkeren Pickeln.
Dazu kommt ein zweiter Effekt. Die Nebenniere bildet bei viel Cortisol häufig zusätzlich DHEA, ein Hormon, aus dem im Körper männliche Hormone entstehen können. Mehr männliche Hormone bedeuten mehr Talg. Bei manchen Frauen ist die Nebenniere deshalb sogar eine größere Quelle für die Androgene als die Eierstöcke. Im Blut zeigt sich das am DHEA-S.
Und drittens drückt Dauerstress das Progesteron. Cortisol und Progesteron werden aus derselben Vorstufe gebildet. Braucht der Körper viel Cortisol, bleibt weniger für das Progesteron übrig. Dazu kann Stress den Eisprung stören, und ohne Eisprung gibt es kaum Progesteron. Der Gegenspieler des Östrogens fehlt, und die männlichen Hormone gewinnen zusätzlich an Einfluss.
Stress wirkt außerdem auf den Blutzucker. Cortisol hebt ihn an, und wer gestresst ist, isst häufiger schnell und süß. So schließt sich der Kreis zum Insulin.
Darum gehört Stressmanagement bei hormoneller Akne fest in den Fahrplan. Das muss nichts Großes sein. Ein fester Abendrhythmus, regelmäßige Pausen, Atemübungen, Bewegung an der frischen Luft und genug Schlaf wirken oft schon spürbar. In unserer App bekommst du dafür Übungen, die zu deinem Stresstyp passen. Wenn Stress gerade den größten Anteil hat, fangen wir dort an, denn sonst arbeiten alle anderen Maßnahmen gegen einen ständigen Gegenwind.



