Warum Haut austrocknet
Trockene Haut ist nicht einfach Haut, der Wasser fehlt. Meist fehlt ihr vor allem Fett, denn das Fett ist es, das das Wasser in der Haut hält.
Die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht, besteht aus flachen, abgestorbenen Zellen. Zwischen ihnen liegen Fette, die wie eine Dichtung wirken. Dazu kommt der Talg aus den Talgdrüsen, der einen feinen Film auf der Oberfläche bildet. Zusammen verhindern sie, dass das Wasser aus den tieferen Hautschichten nach außen verdunstet. Ist diese Dichtung lückenhaft, verliert die Haut ständig Feuchtigkeit. Sie spannt, wird rau, bildet Schuppen und feine Risse.
Was viele nicht wissen: Trockene Haut ist auch eine empfindlichere Haut. Durch die Lücken dringen Reizstoffe leichter ein, die Haut juckt, rötet sich und entzündet sich schneller. Wer dann kratzt, verletzt die Haut zusätzlich und schwächt die Dichtung weiter.
Mit dem Alter wird die Haut ganz natürlich trockener. Die Talgdrüsen arbeiten weniger, die Haut erneuert sich langsamer, und sie wird dünner. Viele Frauen merken das besonders deutlich ab den Wechseljahren.
Wenn eine Creme nur kurz hilft, liegt das oft daran, dass sie von außen ersetzt, was von innen fehlt. Sie legt eine Schicht über die Haut und hält für einige Stunden Feuchtigkeit fest. Das ist sinnvoll, und eine gute Pflege gehört dazu. Aber die Fette, aus denen die Haut ihre eigene Dichtung baut, kommen aus der Ernährung. Und ob die Haut sich gut erneuert, hängt an Hormonen, Schilddrüse und Nährstoffen.
Ein Hinweis noch: Trockene Haut kann auch zu einer Hauterkrankung gehören, etwa zu einer Neurodermitis. Juckt die Haut sehr stark, ohne dass man etwas sieht, oder kommt der Juckreiz plötzlich und am ganzen Körper, kann das auch andere innere Ursachen haben. Das sollte ärztlich abgeklärt werden, bevor man es auf die Trockenheit schiebt.
Hormone und Schilddrüse: die unsichtbaren Feuchtigkeitsspender
Zwei Hormonsysteme haben einen besonders großen Einfluss darauf, wie feucht und elastisch deine Haut ist: die Geschlechtshormone und die Schilddrüse.
Beginnen wir mit dem Östrogen. Es fördert die Bildung von Kollagen, das der Haut ihre Festigkeit gibt, und von Hyaluronsäure, die Wasser bindet. Es verbessert die Durchblutung und hilft der Haut, Feuchtigkeit zu halten. Darum fühlen sich viele Frauen in der ersten Zyklushälfte, wenn das Östrogen steigt, in ihrer Haut besonders wohl.
In den Wechseljahren sinkt das Östrogen, und die Haut verändert sich deutlich. Sie wird dünner, verliert an Kollagen und Feuchtigkeit und wird empfindlicher. Viele Frauen bemerken das nicht nur im Gesicht, sondern auch an Händen, Beinen und an den Schleimhäuten, etwa als trockene Augen oder Trockenheit im Intimbereich. Das ist keine Einbildung, sondern eine direkte Folge des Hormonmangels. Ob ein ärztlich begleiteter Hormonersatz für dich in Frage kommt, entscheidest du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Unabhängig davon helfen genug Eiweiß, gute Fette und gefüllte Nährstoffspeicher.
Die zweite große Stellschraube ist die Schilddrüse. Ihre Hormone geben das Tempo für den Stoffwechsel vor, auch in der Haut. Bei einer Unterfunktion erneuern sich die Hautzellen langsamer, die Talg- und Schweißdrüsen arbeiten weniger, und die Haut wird trocken, rau und manchmal blass oder leicht gelblich. Häufig kommen weitere Zeichen dazu: Frieren, Müdigkeit, Verstopfung, Gewichtszunahme, trockene Haare und brüchige Nägel.
Viele Menschen mit einer trägen Schilddrüse haben schon alle möglichen Cremes ausprobiert, ohne an die Schilddrüse zu denken. Als erster Suchtest wird meist das TSH bestimmt. Wir schauen zusätzlich auf die freien Schilddrüsenhormone T3 und T4 und auf die Nährstoffe, die die Schilddrüse braucht, etwa Selen, Jod, Zink und Eisen. Weisen die Werte auf eine Erkrankung hin, gehört die weitere Abklärung in ärztliche Hände.
Fette, Nährstoffe und Wasser von innen
Die Haut baut ihre Dichtung aus dem, was du isst. Wer trockene Haut hat, sollte deshalb nicht nur auf die Creme schauen, sondern auch auf den Teller.
Am wichtigsten sind die Fette. Jede Hautzelle ist von einer Hülle aus Fetten umgeben. Sind darin viele Omega-3-Fettsäuren eingebaut, ist die Hülle geschmeidig und die Haut weniger entzündungsbereit. Überwiegen die Omega-6-Fettsäuren, wird die Hülle starrer, und die Haut neigt eher zu Reizungen. In unserer Ernährung steckt viel Omega-6, etwa in Sonnenblumenöl, Frittiertem und vielen Fertigprodukten, und wenig Omega-3. Gute Quellen für Omega-3 sind fetter Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele, dazu Leinsamen, Leinöl und Walnüsse. Ob dir Omega-3 fehlt, spürst du meist nicht, das zeigt erst eine Messung.
Auch eine besondere Omega-6-Fettsäure, die Gamma-Linolensäure, spielt für die Schutzfunktion der Haut eine Rolle. Sie steckt zum Beispiel in Nachtkerzen- und Borretschöl. Der Körper kann sie selbst bilden, mit dem Alter und bei Stress gelingt das aber schlechter.
Dann die Mikronährstoffe. Zink ist für die Erneuerung der Hautzellen und eine geregelte Talgbildung nötig. Vitamin A sorgt für eine gesunde Zellteilung in Haut und Schleimhäuten. Biotin, Eisen, Zink und Kupfer werden für die normale Funktion der Haut gebraucht. Vitamin E schützt die Fette in der Haut davor, durch oxidativen Stress zu verderben. Vitamin D steuert die Abwehr der Haut mit. Manche davon sind bei vielen Menschen zu niedrig, aber nicht bei allen dieselben. Darum schauen wir zuerst auf die Werte und gleichen dann gezielt aus.
Und schließlich das Wasser. Wer zu wenig trinkt, dem fehlt die Feuchtigkeit auch in der Haut. Für die meisten Erwachsenen sind etwa zwei Liter am Tag ein guter Richtwert, an heißen Tagen und bei Sport mehr.
Eiweiß gehört ebenfalls dazu, denn auch die Hornzellen und das Kollagen bestehen daraus. Wer die Haut von innen versorgt, merkt manchmal, dass er weniger Creme braucht.
Alltag, der die Haut austrocknet
Manchmal sind es die täglichen Gewohnheiten, die der Haut mehr Fett entziehen, als sie nachbilden kann. Die gute Nachricht: Hier lässt sich schnell etwas ändern.
Der größte Faktor ist das Duschen. Heißes Wasser löst die Fette aus der Haut, und je länger und heißer, desto mehr. Dusch lieber kurz und lauwarm, und nicht unbedingt jeden Tag den ganzen Körper mit Duschgel. Oft reicht es, nur die Stellen zu waschen, die es wirklich brauchen. Nach dem Duschen die Haut sanft abtupfen statt kräftig rubbeln und direkt eincremen, solange sie noch leicht feucht ist. Dann hält die Pflege das Wasser besonders gut in der Haut.
Der zweite Faktor sind Reinigungsprodukte. Stark schäumende Duschgels, Seifen mit hohem pH-Wert und Produkte mit vielen Duftstoffen greifen die Schutzschicht an. Milde, rückfettende und duftstofffreie Produkte sind schonender. Beim Händewaschen gilt dasselbe. Wer mit Spülmittel oder Putzmitteln arbeitet, sollte Handschuhe tragen, denn diese Mittel lösen Fette besonders gut, auch aus der Haut.
Der dritte Faktor ist die Luft. Trockene Heizungsluft im Winter entzieht der Haut Feuchtigkeit. Regelmäßiges Lüften, nicht zu stark heizen und vielleicht eine Schale Wasser auf der Heizung helfen ein wenig. Auch Kälte und Wind setzen der Haut zu, ebenso viel Sonne.
Bei der Pflege lohnt es sich, einfach zu bleiben. Eine gute, reichhaltige Pflege ohne Duftstoffe, regelmäßig aufgetragen, bringt mehr als fünf verschiedene Produkte. Manchmal ist auch eine Pflege mit Harnstoff sinnvoll, weil sie Feuchtigkeit in der Haut bindet.
Und schließlich: Wer viel Kaffee oder Alkohol trinkt und wenig Wasser, merkt das oft an der Haut. Ein Glas Wasser zu jeder Tasse Kaffee ist eine einfache Gewohnheit, die auf Dauer viel ausmacht.



