Was die Pille in deinem Körper getan hat
Um zu verstehen, was nach dem Absetzen passiert, hilft ein Blick darauf, wie die Pille wirkt. Die meisten Pillen enthalten zwei Wirkstoffe: ein künstliches Östrogen und ein Gestagen, also einen künstlichen Abkömmling des Progesterons. Beide melden dem Gehirn, dass genug Hormone im Blut sind. Das Gehirn schüttet daraufhin kaum noch seine Steuerhormone LH und FSH aus, die normalerweise die Eierstöcke antreiben. Ohne diesen Antrieb reift in der Regel keine Eizelle aus, und es gibt keinen Eisprung.
Die Blutung, die du in der Pillenpause hattest, war deshalb keine echte Periode. Es war eine Abbruchblutung, ausgelöst dadurch, dass die künstlichen Hormone für ein paar Tage wegfielen. Dein eigener Zyklus mit Eisprung, Gelbkörper und Progesteronwelle hat während der ganzen Zeit nicht stattgefunden.
Die Pille verändert noch mehr. Das künstliche Östrogen regt die Leber an, mehr SHBG zu bilden. SHBG ist ein Eiweiß, das Geschlechtshormone im Blut bindet, vor allem Testosteron. Gebundenes Testosteron wirkt kaum. Das ist einer der Gründe, warum viele Frauen unter der Pille eine reinere Haut haben, und auch einer der Gründe, warum manche unter der Pille weniger Lust verspüren. Auch die Nebennieren bilden unter der Pille oft weniger von ihren Vorstufen für männliche Hormone.
Und die Pille beeinflusst den Nährstoffhaushalt. Sie kann den Bedarf an Vitamin B6 erhöhen, die Aufnahme und Verwertung von Folat verschlechtern, mehr Magnesium über die Nieren ausscheiden lassen und auch Vitamin B2, Vitamin C und Zink beanspruchen. Wer viele Jahre die Pille genommen hat, startet nach dem Absetzen deshalb oft mit niedrigeren Speichern, als ihm bewusst ist.
Das alles heißt nicht, dass die Pille schlecht ist. Sie ist für viele Frauen eine wichtige und zuverlässige Verhütung. Es heißt aber, dass dein Körper nach dem Absetzen einiges umstellen muss, und dass er dabei Unterstützung gut gebrauchen kann.
Was nach dem Absetzen passiert
Wenn du die Pille absetzt, fallen die künstlichen Hormone weg, und das Gehirn muss wieder lernen, die Eierstöcke selbst anzutreiben. Bei manchen Frauen klappt das in wenigen Wochen, und der erste Eisprung kommt rasch. Bei anderen dauert es mehrere Monate, bis der Zyklus wieder regelmäßig läuft. Wie schnell es geht, hängt unter anderem davon ab, wie dein Zyklus vor der Pille war, wie lange du sie genommen hast und wie gut dein Körper gerade aufgestellt ist.
In dieser Übergangszeit sind lange und unregelmäßige Zyklen häufig. Manchmal reifen Eibläschen heran, ohne zu springen, und bleiben länger bestehen. Im Ultraschall kann das aussehen wie bei einem PMOS (früher PCOS), und auch Hautprobleme und Zyklusstörungen ähneln ihm. Oft ist es aber kein echtes PMOS, sondern ein Zyklus, der sich erst wieder einspielen muss. Deshalb ist es wichtig, mit einer solchen Diagnose nicht zu schnell zu sein und die Entwicklung über einige Monate zu beobachten.
Gleichzeitig sinkt das SHBG langsam, und das Testosteron wird wieder freier. Viele Frauen erleben deshalb einige Monate nach dem Absetzen eine Phase mit unreiner Haut, vor allem an Kinn und Kiefer, öligerem Haar oder vermehrtem Haarwuchs. Bei manchen ist es stärker als vor der Pille, weil sich der Körper erst neu einpendeln muss.
Auch Haarausfall ist typisch, und er kommt oft erst zwei bis drei Monate nach dem Absetzen. Der Grund: Eine Hormonumstellung kann viele Haare gleichzeitig aus der Wachstumsphase in die Ruhephase schicken. Sie fallen aber nicht sofort aus, sondern erst einige Wochen später, wenn neue Haare nachschieben. Das wirkt erschreckend, ist meist vorübergehend und hängt zusätzlich an Eisen, Zink und den Schilddrüsenwerten.
Kommt die Periode nach dem Absetzen über drei Monate lang nicht wieder und bist du nicht schwanger, gehört das frauenärztlich abgeklärt. Dann schaut man unter anderem auf Prolaktin, Schilddrüse und die Steuerhormone aus dem Gehirn.
Warum die Vorbereitung vor dem Absetzen zählt
Zu uns kommen Frauen meist aus zwei Gründen: Sie wünschen sich ein Kind, oder sie haben von Nebenwirkungen der Pille erfahren. Fast alle haben dieselben Sorgen, nämlich dass der Zyklus nicht wiederkommt und dass die Zyklus- und Hautbeschwerden von vor der Pille zurückkehren. Viele setzen die Pille dann ab und warten, was passiert. Klüger ist es, schon vorher zu schauen, wo dein Körper steht. Denn was in den ersten Monaten nach dem Absetzen passiert, hängt stark davon ab, mit welchen Voraussetzungen du startest.
An erster Stelle stehen die Nährstoffe. Die Pille beansprucht besonders die B-Vitamine. Vitamin B6 wird für die Bildung von Botenstoffen wie Serotonin gebraucht und sinkt unter der Pille oft ab. Folat ist für jede Zellteilung wichtig, und seine Versorgung kann noch Monate nach dem Absetzen beeinträchtigt sein. Magnesium und Zink sind an der Hormonbildung, der Haut und dem Zyklus beteiligt. Wer vor dem Absetzen seine Werte kennt und Lücken auffüllt, gibt dem eigenen Zyklus bessere Startbedingungen.
An zweiter Stelle steht die Schilddrüse. Sie steuert den Eisprung mit, und eine leichte Unterfunktion fällt unter der Pille oft nicht auf, weil die Pille den Zyklus ohnehin regelt. Nach dem Absetzen kann sie dann der Grund sein, warum der Zyklus nicht in Gang kommt. Jod, Selen und Eisen sind ihre wichtigsten Bausteine.
Dazu kommen Blutzucker und Stress. Eine Insulinresistenz fördert männliche Hormone und stört den Eisprung, und genau das ist nach dem Absetzen ohnehin die empfindliche Stelle. Dauerstress, zu wenig Essen oder sehr viel Sport signalisieren dem Gehirn, dass gerade keine gute Zeit für einen Eisprung ist.
Besonders wichtig ist die Vorbereitung, wenn ein Kinderwunsch der Grund für das Absetzen ist. Dann lohnt es sich, die Pille nicht erst kurz vor dem geplanten Schwangerwerden abzusetzen, sondern dem Körper Zeit zu geben, seine Speicher aufzufüllen und seinen eigenen Rhythmus zu finden. Für die Vorbereitung auf eine Schwangerschaft empfehlen wir einen Vorlauf von mindestens drei Monaten. Mehr dazu findest du auf unseren Seiten zum Kinderwunsch.
So unterstützt du deinen Körper nach der Pille
Der wichtigste Satz für die Zeit nach der Pille lautet: Gib deinem Körper die Signale, dass jetzt eine gute Zeit für einen eigenen Zyklus ist.
Iss genug. Gerade nach dem Absetzen beginnen manche Frauen eine Diät, weil sich Gewicht oder Wassereinlagerungen verändern. Zu wenig Essen ist für das Gehirn aber ein Mangelsignal und verzögert den Eisprung. Regelmäßige Mahlzeiten mit genug Eiweiß, Gemüse, gesunden Fetten und komplexen Kohlenhydraten sind die bessere Grundlage. Fette liefern dabei Bausteine, und aus Cholesterin bildet dein Körper seine eigenen Geschlechtshormone.
Halte deinen Blutzucker ruhig. Weniger Zucker und Weißmehl, dafür mehr Eiweiß und Ballaststoffe zu jeder Mahlzeit entlasten das Insulin und damit auch die Haut, denn viel Insulin fördert die Bildung männlicher Hormone. Ein kurzer Spaziergang nach dem Essen hilft zusätzlich.
Unterstütze deinen Darm. Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn füttern die günstigen Darmbakterien, sorgen für einen regelmäßigen Stuhlgang und helfen, verbrauchte Hormone sauber auszuscheiden. Auch die Haut profitiert von einem gesunden Darm.
Bring Ruhe in dein Stresssystem. Guter Schlaf, Pausen und ein Trainingspensum, das dir Kraft gibt statt sie zu nehmen, helfen dem Gehirn, seinen Rhythmus wiederzufinden.
Führ ein Zyklustagebuch. Notiere Blutungen, Zykluslänge, Zervixschleim, Haut und Stimmung. Zervixschleim ist das Sekret am Muttermund, das rund um den Eisprung klar, flüssig und dehnbar wird wie rohes Eiweiß, und damit ein guter Hinweis darauf, dass dein Körper auf einen Eisprung zusteuert. Du siehst so, wie sich dein Zyklus entwickelt, und kannst die Hormonmessung auf den richtigen Tag legen, sobald er zurückkommt.
Und hab Geduld mit dir. Der eigene Zyklus braucht manchmal einige Monate, bis er sich eingespielt hat. Was in dieser Zeit hilft, ist kein Druck, sondern ein Körper, der gut versorgt ist.
