Woraus ein Haar gebaut wird
Ein Haar ist eigentlich ein Strang aus abgestorbenen Zellen. Lebendig ist nur die Haarwurzel in der Kopfhaut, und dort entscheidet sich, wie dick, kräftig und schnell ein Haar wird. Die Zellen in der Wurzel teilen sich ständig und bauen dabei vor allem ein Eiweiß ein: Keratin. Daneben spielt auch Kollagen eine Rolle für die Struktur rund um die Haarwurzel.
Keratin besteht aus Aminosäuren, besonders aus der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein. Damit das Haar stabil wird, braucht der Körper also genug Eiweiß aus der Ernährung. Die meisten Menschen essen weniger Eiweiß, als gut für Haut, Haare und Muskeln wäre. Ein echter Eiweißmangel ist als alleinige Ursache für Haarausfall zwar eher selten, für einen guten Haarwuchs ist ausreichend Eiweiß aber eine Grundvoraussetzung.
Damit aus den Aminosäuren wirklich Haar wird, braucht es Helfer. Zink ist für die Zellteilung und den Aufbau von Keratin wichtig. Kupfer wird für die Kollagenbildung gebraucht und dafür, dass das Haar seine Farbe bekommt. Biotin, ein B-Vitamin, ist am Keratinaufbau beteiligt, und Folsäure ist für jede schnelle Zellteilung nötig. Vitamin C braucht der Körper für die Kollagenbildung und für eine gute Eisenaufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln.
Eisen schließlich liefert über das Blut den Sauerstoff, ohne den die Haarwurzel keine Energie hat. Es wird außerdem für die Schilddrüse gebraucht, die den Takt der Zellteilung vorgibt.
Für deinen Alltag heißt das: Iss zu jeder Mahlzeit eine gute Eiweißquelle, etwa Eier, Fisch, Fleisch, Milchprodukte oder Hülsenfrüchte. Dazu reichlich Gemüse, Obst, Nüsse und Saaten. Eine bunte, vollwertige Ernährung liefert schon einen großen Teil dessen, was deine Haare brauchen. Wo trotzdem eine Lücke bleibt, zeigt das Blut, und dann lässt sie sich gezielt schließen. Und lass dir Zeit: Was du heute isst, sieht man erst in den Haaren, die in den nächsten Wochen und Monaten nachwachsen.
Die Kopfhaut ist der Boden
Stell dir die Kopfhaut wie einen Gartenboden vor. Auf trockenem, ausgelaugtem Boden wächst wenig, auf gut versorgtem, feuchtem Boden gedeiht alles. Für Haare gilt dasselbe. Die Kopfhaut ist Haut, und sie braucht dieselbe Pflege von innen wie die Haut im Gesicht.
Das Wichtigste ist die Durchblutung. Feine Blutgefäße bringen Sauerstoff und Nährstoffe zur Haarwurzel. Ist die Kopfhaut schlecht durchblutet, kommt dort wenig an, egal wie gut du dich ernährst. Dauerhafter Stress mit chronisch erhöhtem Cortisol verschlechtert sie. Rauchen tut das ebenfalls. Östrogen dagegen verbessert die Durchblutung der Kopfhaut, ein Grund, warum Frauen in hormonellen Umbruchphasen ihr Haar so deutlich merken.
Genauso wichtig ist die Feuchtigkeit. Eine Kopfhaut, die zu trocken ist, wird rissig, juckt und entzündet sich leichter. Für einen geschmeidigen Schutzfilm sorgt der Talg, und für eine geregelte Talgbildung braucht der Körper Zink. Omega-3-Fettsäuren halten die Zellwände geschmeidig und wirken Entzündungen entgegen. Vitamin E schützt die Fette in der Haut davor, durch oxidativen Stress beschädigt zu werden.
Entzündungen sind der dritte Punkt. Eine dauerhaft gereizte Kopfhaut, starke Schuppen oder ein juckender Ausschlag stören die Haarwurzeln bei ihrer Arbeit. Schuppen bedeuten nicht automatisch Haarausfall, aber eine entzündete Kopfhaut sollte man nicht einfach hinnehmen. Hält eine Entzündung an, oder schuppt und rötet sich die Kopfhaut stark, ist eine hautärztliche Abklärung sinnvoll.
Und dann gibt es noch eine angenehme Kleinigkeit: eine sanfte Kopfmassage. Sie fühlt sich gut an, entspannt, und es gibt Hinweise, dass sie die Haare etwas dicker werden lassen kann. Wichtig ist dabei, sanft zu bleiben. Wer kräftig rubbelt oder an den Haaren zieht, schadet ihnen eher.
Was dem Haar von außen schadet
Manchmal liegt das Problem nicht in der Wurzel, sondern im Haar selbst. Dann wächst es zwar, bricht aber ab, bevor es länger wird. Das Haar wirkt dünner, obwohl gar nicht mehr Haare ausfallen.
Ein häufiger Grund ist Hitze. Tägliches Föhnen auf höchster Stufe, Glätteisen und Lockenstab schädigen die äußere Schutzschicht des Haares, die Schuppenschicht. Das Haar wird porös, trocken und splissig. Wer gern stylt, sollte die Temperatur senken, das Haar vorher gut antrocknen lassen und nicht jeden Tag zu heißen Geräten greifen.
Auch Chemie setzt dem Haar zu. Häufiges Blondieren, Dauerwellen und starke Färbungen greifen die Struktur an. Einzelne Behandlungen verträgt das Haar meist gut, sehr häufige oder sehr aggressive dagegen nicht. Bei starken Behandlungen kann sich sogar die Kopfhaut entzünden.
Unterschätzt wird der Zug. Wer über Jahre sehr straffe Zöpfe, feste Dutts oder eng geflochtene Frisuren trägt, belastet die Haarwurzeln dauerhaft. Die Haare werden an den Rändern, oft an Stirn und Schläfen, immer lichter. Anfangs erholt sich das wieder, bei jahrelanger Belastung kann aber ein bleibender Schaden entstehen. Locker getragene Frisuren und Pausen für die Kopfhaut beugen vor.
Auch die Sonne macht das Haar rau und bleicht es aus. Haarausfall verursacht sie selten, aber die Qualität leidet.
Bleiben die Pflegeprodukte. Shampoos können weniger, als man oft denkt. Ein Biotin-Shampoo zum Beispiel klingt sinnvoll, Biotin wird über die Kopfhaut aber kaum aufgenommen. Was das Haar wirklich stärkt, kommt über das Blut zur Wurzel. Eine milde, gute Pflege ist trotzdem sinnvoll, weil sie das Haar schützt, das schon gewachsen ist. Und es lohnt sich, auf Produkte mit vielen Duftstoffen zu verzichten, wenn die Kopfhaut empfindlich reagiert.
Was Nahrungsergänzung kann und was nicht
Haarvitamine sind sehr beliebt. Viele nehmen sie über Monate, ohne zu wissen, ob ihnen überhaupt etwas fehlt. Das Ergebnis ist oft Enttäuschung.
Der Grund ist einfach. Nährstoffe helfen dann, wenn ein Mangel da ist. Ist der Speicher voll, bringt mehr davon nichts. Bei Biotin zum Beispiel ist ein echter Mangel selten. Wer es ohne Mangel in hoher Dosis nimmt, scheidet den Überschuss einfach wieder aus. Umgekehrt hilft das teuerste Haar-Präparat wenig, wenn eigentlich das Eisen fehlt und gar nicht oder viel zu niedrig dosiert enthalten ist.
Dazu kommt: Mehr ist nicht immer besser. Zu viel Vitamin A kann paradoxerweise selbst Haarausfall auslösen. Auch Selen kann man überdosieren, und auch dann leiden Haare und Nägel. Darum gibt es bei uns keine hohe Dosis ohne Blutkontrolle.
Sinnvoll ist deshalb der umgekehrte Weg. Zuerst schauen wir, was fehlt. Vitamin D, Omega-3, Eisen und Zink sind bei vielen Menschen zu niedrig, aber nicht bei allen gleich. Bei Zink, Kupfer und Selen schauen wir dabei auf das Vollblut, denn der größte Teil davon steckt in den Zellen. Das Ergebnis zeigt, was du wirklich brauchst und in welcher Menge.
Dann wird gezielt ausgeglichen. Die Dosis zum Auffüllen eines leeren Speichers ist oft höher als die Angabe auf der Packung, denn diese ist für die Erhaltung gedacht, nicht für einen Mangel. Ist der Speicher wieder gefüllt, reicht weniger. Im Verlauf deiner Werte sehen wir, ob es wirkt, und passen die Menge an.
Und noch etwas: Wenn der Darm Nährstoffe schlecht aufnimmt, kommt auch bei der besten Ergänzung wenig an. Dann gehört der Darm mit in den Plan. Ergänzung ist ein Werkzeug, kein Ersatz für eine gute Ernährung. Am besten wirkt sie, wenn beides zusammenpasst.



