Verschleiß, Entzündung oder Stoffwechsel: was hinter Gelenkschmerzen steckt
Gelenkschmerzen sind kein einheitliches Krankheitsbild. Hinter ihnen können ganz verschiedene Vorgänge stecken, und welcher es ist, bestimmt, was hilft.
Am bekanntesten ist der Verschleiß, die Arthrose. Dabei wird der Knorpel, der die Knochenenden überzieht, über die Jahre dünner. Typisch ist der Anlaufschmerz: Die ersten Schritte am Morgen oder nach dem Sitzen tun weh, dann wird es besser, und bei langer Belastung wieder schlechter. Verschleiß ist aber nicht nur eine Frage des Alters. Übergewicht, Bewegungsmangel, einseitige Belastung und eine stille Entzündung beschleunigen ihn.
Davon zu unterscheiden sind die entzündlichen Gelenkerkrankungen. Hier richtet sich das Immunsystem gegen das eigene Gelenkgewebe. Dazu gehören die rheumatoide Arthritis, die oft die kleinen Finger- und Zehengelenke beidseits betrifft, der Morbus Bechterew mit tief sitzenden Rückenschmerzen, die sich durch Bewegung bessern, und die Gelenkentzündung bei Schuppenflechte. Diese Erkrankungen gehören in rheumatologische Behandlung, je früher, desto besser.
Die dritte Gruppe sind Stoffwechselursachen, allen voran die Gicht. Hier lagern sich Harnsäurekristalle im Gelenk ab und lösen eine heftige Entzündung aus, oft zuerst am Großzeh.
Und schließlich gibt es Schmerzen, die keine klare Ursache im Gelenk selbst haben, aber von innen verstärkt werden. Ein Östrogenabfall in den Wechseljahren, ein Vitamin-D-Mangel, eine stille Entzündung oder dauerhaft zu viel Training ohne Erholung machen Gelenke, Sehnen und Muskeln empfindlicher.
Ein paar Warnzeichen solltest du kennen, weil sie für eine entzündliche Erkrankung sprechen können und ärztlich abgeklärt werden sollten: geschwollene, warme oder gerötete Gelenke, eine Morgensteifigkeit, die länger als etwa eine halbe Stunde anhält, Schmerzen, die nachts oder in Ruhe stärker werden, mehrere betroffene Gelenke gleichzeitig, Fieber oder ein allgemeines Krankheitsgefühl. Bei einem plötzlich heißen, stark geschwollenen Gelenk gehst du bitte zeitnah zum Arzt.
Was wir tun, ist die Arbeit daneben. Wir schauen, was bei dir von innen auf die Gelenke wirkt, und setzen dort an, wo du selbst etwas verändern kannst.
Harnsäure und Gicht: mehr Stoffwechsel als Schnitzel
Viele denken bei Gicht an zu viel Fleisch und Bier. Ganz falsch ist das nicht, aber es ist nur ein kleiner Teil der Geschichte. Eine erhöhte Harnsäure ist vor allem ein Zeichen dafür, dass der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht ist.
Harnsäure entsteht, wenn der Körper bestimmte Bausteine abbaut, die sogenannten Purine. Sie stecken in Fleisch, Innereien und Hülsenfrüchten, entstehen aber auch im eigenen Stoffwechsel. Mindestens genauso wichtig ist ein anderer Weg. Wenn die Leber Fruchtzucker verarbeitet, entsteht ebenfalls Harnsäure. Viel Fruchtsaft, Softdrinks und gesüßte Produkte treiben sie deshalb nach oben. Auch eine Fettleber, eine Insulinresistenz und Entzündungen im Körper erhöhen sie.
Evolutionär hatte das einen Sinn. Wenn unsere Vorfahren im Herbst reife Früchte fanden, half die steigende Harnsäure dem Körper, möglichst viel Energie als Fett zu speichern. Sie fördert die Fetteinlagerung, macht hungriger und lässt die Zellen unempfindlicher für Insulin werden. Für ein paar Wochen im Jahr war das klug. Heute, wo es das ganze Jahr Süßes gibt, läuft dieses Programm dauerhaft.
Die Folgen gehen über die Gelenke hinaus. Harnsäure fördert Entzündungen, kann den Blutdruck steigen lassen und die Nieren belasten. Und sie verstärkt sich selbst: Insulinresistenz erhöht die Harnsäure, Harnsäure verschlechtert die Insulinresistenz.
In den Gelenken wird es kritisch, wenn die Harnsäure so hoch ist, dass sie im Blut nicht mehr gelöst bleibt. Dann bilden sich nadelförmige Kristalle, die sich im Gelenk ablagern. Das Immunsystem greift sie an, und es kommt zu einem Gichtanfall: Das Gelenk wird heiß, rot, geschwollen und extrem schmerzhaft. Wiederholt sich das über Jahre, kann das Gelenk dauerhaft Schaden nehmen.
Ein Gichtanfall gehört in ärztliche Hände. Daneben arbeiten wir an den Ursachen: weniger Fruchtzucker und gesüßte Getränke, eine Fettleber abbauen, die Insulinsensitivität verbessern, genug trinken und Alkohol reduzieren. Fleisch musst du dabei meist nicht komplett streichen. Wie viel für dich passt, legen wir gemeinsam fest.
Wechseljahre und Gelenke: wenn das Östrogen fehlt
Viele Frauen erleben es um die 50 herum: Die Finger sind morgens steif, die Knie knirschen, die Schultern schmerzen, und das, obwohl sie sich nicht verletzt haben. Oft wird das dem Alter zugeschrieben. Häufig steckt aber das sinkende Östrogen dahinter.
Östrogen ist nicht nur ein Fortpflanzungshormon. Es wirkt auf fast jedes Gewebe im Körper, auch auf Knorpel, Sehnen, Bänder und die Gelenkflüssigkeit. Es fördert die Bildung von Kollagen, dem Strukturprotein, das Knorpel und Sehnen ihre Festigkeit gibt, und von Hyaluronsäure, die die Gelenkflüssigkeit geschmeidig hält und als Puffer wirkt. Außerdem dämpft Östrogen Entzündungen. Sinkt es in den Wechseljahren, fehlt diese Unterstützung. Die Gelenke werden trockener, weniger belastbar und empfindlicher.
Dazu kommen oft weitere Veränderungen derselben Lebensphase. Der Körper baut leichter Muskeln ab und Bauchfett auf, was die Gelenke mechanisch und über Entzündungsbotenstoffe belastet. Der Schlaf wird schlechter, was die Schmerzempfindlichkeit erhöht. Und viele Frauen starten mit einer trägen Schilddrüse oder leeren Nährstoffspeichern in diese Phase, was die Erholung zusätzlich bremst.
Was dann hilft, ist ein Zusammenspiel. Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche stärkt die Muskeln, die die Gelenke stützen und entlasten. Genug Eiweiß liefert das Material für Kollagen und Muskeln, Vitamin C wird für die Kollagenbildung gebraucht. Omega-3 und Vitamin D helfen bei der Regulation von Entzündungen. Und ein guter Umgang mit Stress und Schlaf senkt die Schmerzempfindlichkeit.
Wenn die Hormone selbst der Hauptgrund sind, kann eine ärztliche Hormonbehandlung eine Option sein. Ob das für dich infrage kommt, besprichst du mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt. Wir kümmern uns um die Basis, damit dein Körper gut durch diese Phase kommt.
Auch bei Männern spielen Hormone mit. Ein sinkendes Testosteron geht oft mit weniger Muskelmasse, mehr Bauchfett und stärkeren Gelenkbeschwerden einher. Darum schauen wir bei Männern mit Gelenkschmerzen auch auf die Hormone.
Was deine Gelenke im Alltag stärkt
Gelenke mögen zwei Dinge: Bewegung und Versorgung. Beides kannst du im Alltag beeinflussen, und beides wirkt oft stärker, als viele erwarten.
Beweg dich regelmäßig, aber klug. Knorpel hat keine eigenen Blutgefäße. Er wird über die Gelenkflüssigkeit ernährt, und die wird nur durch Bewegung hinein- und herausgepresst, ähnlich wie bei einem Schwamm. Lange Sitzphasen lassen den Knorpel deshalb hungern, regelmäßige Bewegung versorgt ihn. Gelenkschonende Ausdauer wie Radfahren, Schwimmen oder zügiges Gehen ist ein guter Einstieg. Krafttraining stärkt die Muskeln, die das Gelenk führen und entlasten. Wichtig ist die richtige Dosis: Steigere dich langsam, und plane Erholung ein. Wer acht Mal pro Woche hart trainiert und trotzdem schlecht regeneriert, überlastet seine Gelenke.
Achte auf dein Gewicht, vor allem am Bauch. Jedes Kilo weniger entlastet Knie und Hüfte mechanisch. Mindestens genauso wichtig ist, dass weniger Bauchfett auch weniger Entzündungsbotenstoffe bildet.
Iss entzündungsarm. Viel Gemüse, Beeren, Hülsenfrüchte, Nüsse und fetter Seefisch liefern Pflanzenstoffe und Omega-3. Zucker, gesüßte Getränke, stark verarbeitete Lebensmittel und viel Alkohol halten die Entzündung am Laufen. Genug Eiweiß zu jeder Mahlzeit liefert das Material für Muskeln und Kollagen.
Füll gezielt auf. Vitamin D, Omega-3 und Magnesium sind bei vielen Menschen zu niedrig. Auch Pflanzenextrakte wie Weihrauch oder Kurkuma werden bei Gelenkbeschwerden untersucht. Ob und was davon für dich sinnvoll ist, klären wir nach deinen Werten und deinen Medikamenten, denn manche Pflanzenstoffe vertragen sich nicht mit jedem Medikament.
Und schlaf genug. Im Schlaf repariert der Körper Gewebe, und wer schlecht schläft, empfindet Schmerzen stärker. Ein ruhiger Abend und ein fester Rhythmus sind deshalb auch Gelenkpflege.

