Was beim Durchfall im Darm passiert
Durchfall bedeutet, dass der Stuhl zu flüssig ist, und meist auch, dass du öfter musst als sonst. Ärztinnen und Ärzte sprechen von Durchfall, wenn der Stuhl dreimal oder öfter am Tag weich oder flüssig ist. Dauert das länger als etwa vier Wochen an, gilt er als chronisch. Hinter dieser Unterscheidung steckt mehr als eine Zahl. Akuter Durchfall kommt meist von einem Infekt und geht von selbst vorbei. Hinter chronischem Durchfall dagegen steckt fast immer ein Grund, den man suchen sollte.
Normalerweise ist der Darm ein Meister im Wasserhaushalt. Jeden Tag gelangen mehrere Liter Flüssigkeit in den Verdauungstrakt, aus Getränken, aber vor allem aus Speichel, Magensaft, Galle und Darmsäften. Fast alles davon holt sich der Darm wieder zurück, der größte Teil im Dünndarm, der Rest im Dickdarm. Im Stuhl bleibt nur ein kleiner Rest.
Durchfall entsteht, wenn dieses Gleichgewicht kippt. Dafür gibt es im Grunde drei Wege. Beim ersten bleibt etwas im Darm, das Wasser anzieht. Das passiert zum Beispiel, wenn Milchzucker oder Fruchtzucker nicht aufgenommen werden. Der Zucker hält Wasser im Darm fest, und der Stuhl wird flüssig. Typisch ist, dass dieser Durchfall nachlässt, wenn du nichts isst.
Beim zweiten Weg gibt die Darmschleimhaut selbst Wasser ab, statt es aufzunehmen. Das passiert bei manchen Infekten, aber auch, wenn die Schleimhaut entzündet oder gereizt ist. Dieser Durchfall geht oft auch weiter, wenn du nichts isst, und tritt manchmal sogar nachts auf.
Beim dritten Weg ist der Darm einfach zu schnell. Der Inhalt rauscht durch, bevor genug Wasser zurückgeholt werden konnte. Stress, ein Zuviel an Histamin oder eine Überfunktion der Schilddrüse können den Darm so beschleunigen.
Oft mischen sich mehrere dieser Wege. Für die Ursachensuche ist es aber hilfreich zu wissen, in welche Richtung dein Darm entgleist.
Wenn Nervosität auf den Darm schlägt
Fast jeder kennt das: Vor einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einer Rede muss man plötzlich dringend auf die Toilette. Das ist kein Zufall, sondern ein uralter Mechanismus, und er erklärt, warum Stress bei vielen Menschen chronischen Durchfall verstärkt.
Dein Nervensystem kennt zwei Grundzustände. Im Ruhemodus, gesteuert vom sogenannten Parasympathikus, wird verdaut: Speichel, Magensäure und Enzyme fließen, der Darm transportiert in Ruhe, Nährstoffe werden aufgenommen. Im Alarmmodus, gesteuert vom Sympathikus, bereitet sich der Körper auf Flucht oder Kampf vor. Herz und Atmung werden schneller, die Muskeln bekommen Energie, und die Verdauung wird zur Nebensache.
Für unsere Vorfahren war das sinnvoll. Wer vor einem Raubtier flieht, braucht keine Energie für die Verdauung, und ein leichter Körper ist ein schneller Körper. Darum kann der Darm in einer akuten Stresssituation seinen Inhalt rasch loswerden wollen. Das Ergebnis ist der bekannte nervöse Durchfall.
Problematisch wird es, wenn Stress nicht mehr die Ausnahme ist, sondern der Normalzustand. Dann wird der Darm dauerhaft schlechter versorgt, es werden weniger Verdauungsenzyme gebildet, und die Nahrung wird schlechter zerlegt. Das Mikrobiom verliert an Vielfalt, die Darmbarriere wird durchlässiger, und der Darm reagiert empfindlicher auf Reize. Bei manchen entsteht eine Art Überempfindlichkeit, bei der schon normale Mengen an Gas oder Stuhl Krämpfe und Drang auslösen.
Stress ist dabei selten die einzige Ursache. Oft kommt er zu einem gereizten Darm, einem verschobenen Mikrobiom oder einer Unverträglichkeit dazu und dreht die Beschwerden lauter. In unserer Praxis sehen wir dabei oft einen Kreislauf: Wer ständig Durchfall hat oder kaum etwas verträgt, ist gestresst, weil jede Mahlzeit zur Belastung wird, und dieser Stress schlägt wieder auf den Darm. Am Anfang steht häufig eine unentdeckte Unverträglichkeit durch ein verschobenes Mikrobiom, oder eine Lebensmittelvergiftung auf Reisen, nach der eine Dünndarmfehlbesiedlung zurückgeblieben ist. Darum gehört Stressmanagement bei uns immer in den Fahrplan, mit Übungen, die zu dir passen und die die App dir regelmäßig ausspielt. Viele merken, dass ihr Darm im Urlaub ruhiger ist als im Alltag. Das ist ein guter Hinweis darauf, wie viel der Kopf mitredet.
Was dein Körper mit dem Durchfall verliert
Wer über Wochen oder Monate Durchfall hat, verliert mehr als Wasser. Das wird oft unterschätzt, ist aber wichtig, weil die Verluste selbst wieder Beschwerden machen können.
Mit dem Stuhl gehen Mineralstoffe verloren, vor allem Kalium, Magnesium und Natrium. Ein Mangel an Kalium und Magnesium kann sich als Muskelkrämpfe, Schwäche, Herzstolpern oder Müdigkeit zeigen. Magnesium und Zink sitzen größtenteils in den Zellen, darum schauen wir auf das Vollblut und nicht nur auf das Serum, wo sie oft noch normal aussehen.
Zink verdient einen besonderen Blick. Es geht bei häufigem Durchfall vermehrt verloren und wird gleichzeitig für die Darmschleimhaut gebraucht. Zink hilft, die Verbindungen zwischen den Zellen der Schleimhaut stabil zu halten. Fehlt es, wird die Schleimhaut anfälliger, und der Durchfall kann sich halten. So entsteht ein Kreislauf, den man unterbrechen muss.
Dann geht es um die Aufnahme. Rauscht die Nahrung schnell durch oder ist die Schleimhaut gereizt, haben die Nährstoffe weniger Zeit und weniger Fläche, um aufgenommen zu werden. Betroffen sind oft Eisen, Vitamin B12, Folsäure und die fettlöslichen Vitamine wie Vitamin D, besonders wenn auch Fett schlecht verdaut wird. Das erklärt, warum viele Menschen mit chronischem Durchfall müde und wenig belastbar sind, obwohl sie gut essen.
Und schließlich die Energie. Wer ständig mit dem Bauch beschäftigt ist, isst oft weniger oder lässt Mahlzeiten aus Angst vor Beschwerden ganz weg. Gerade Eiweiß kommt dann häufig zu kurz.
Wir achten deshalb darauf, dass trotz Beschwerden genug Eiweiß auf den Teller kommt, in Formen, die dein Darm gerade gut verträgt.
Darum gehören Blutwerte bei chronischem Durchfall immer dazu. Sie zeigen, was ausgeglichen werden muss, während wir an den Ursachen arbeiten. Im Verlauf deiner Werte sehen wir dann, ob die Speicher sich wieder füllen.
Was du jetzt schon tun kannst
Bis die Ursache gefunden ist, gibt es einiges, das deinen Darm entlasten kann. Diese Schritte ersetzen keine Abklärung, nehmen aber oft schon Druck aus dem Alltag.
Trink genug und ersetze Salze. Bei Durchfall braucht dein Körper mehr Flüssigkeit als sonst. Wasser, ungesüßter Tee und klare Brühe helfen, auch ein wenig Salz mehr im Essen. Bei starkem, wässrigem Durchfall besprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder in der Apotheke, wie du Wasser und Salze am besten ersetzt, denn Wasser allein gleicht die verlorenen Salze nicht aus.
Meide, was durchrauscht. Große Mengen Fruchtsaft, Softdrinks, Süßigkeiten mit Zuckeraustauschstoffen wie Sorbit, sehr fettige Mahlzeiten, viel Kaffee und Alkohol beschleunigen den Darm bei vielen Menschen zusätzlich. Wer merkt, dass Milch ein Thema ist, kann Milchprodukte für eine Zeit reduzieren, bis die Ursache klar ist.
Iss lieber regelmäßig als selten und riesig. Sehr große Mahlzeiten setzen einen starken Reflex im Dickdarm in Gang. Mittelgroße Mahlzeiten mit Pausen dazwischen sind für viele leichter.
Setz auf Lebensmittel, die den Stuhl binden. Gekochte und abgekühlte Kartoffeln oder Reis, Haferflocken und Banane enthalten Stoffe, die Wasser binden und den Stuhl fester machen können. Sie füttern gleichzeitig nützliche Darmbakterien, sofern du sie gut verträgst.
Schreib mit. Notiere, was du gegessen hast, wie viel, wann der Durchfall kam, wie der Stuhl aussah und wie dein Stresslevel war. Gerade bei Durchfall zeigen sich so oft Muster, etwa dass er vor allem nach bestimmten Mahlzeiten oder an bestimmten Tagen auftritt.
Und achte auf die Warnzeichen. Blut im Stuhl, Durchfall in der Nacht, Fieber, starke Schmerzen, ungewollter Gewichtsverlust oder Zeichen von Austrocknung wie Schwindel und sehr wenig Urin gehören immer sofort ärztlich abgeklärt.

