Woraus ein Nagel besteht und wie er wächst
Ein Nagel ist eine feste Platte aus vielen Schichten verhornter Zellen. Sein Hauptbaustein ist Keratin, dasselbe Eiweiß, aus dem auch Haare und die oberste Hautschicht bestehen. Das erklärt, warum Nägel, Haare und Haut so oft gemeinsam Probleme machen. Und es betrifft nicht nur Ältere: Zu uns kommen Menschen ab etwa 30 mit brüchigen Nägeln, manche schon mit Anfang 20.
Lebendig ist nur ein kleiner Teil des Nagels: die Nagelwurzel, auch Nagelmatrix genannt. Sie liegt unter der Haut am Nagelansatz, und ein Teil davon ist als heller Halbmond am unteren Nagelrand zu sehen. In der Matrix teilen sich ständig Zellen, füllen sich mit Keratin, verhornen und schieben den Nagel langsam nach vorn. Was du vorn an der Spitze siehst, ist also schon vor Monaten entstanden.
Fingernägel wachsen nur wenige Millimeter im Monat, Fußnägel noch langsamer. Bis ein Fingernagel einmal komplett von der Wurzel bis zur Spitze erneuert ist, vergeht etwa ein halbes Jahr. Darum braucht es so viel Geduld, wenn man seine Nägel von innen stärken will. Und darum lohnt sich der Blick zurück: Eine Rille oder eine Schwachstelle in der Mitte des Nagels ist oft ein Abdruck aus einer Zeit, in der es dem Körper nicht gut ging.
Ein gesunder Nagel ist glatt, leicht rosa, biegsam und trotzdem fest. Seine Festigkeit verdankt er nicht nur dem Keratin, sondern auch seinem Wassergehalt und feinen Fetten zwischen den Schichten. Trocknet der Nagel aus, wird er spröde und splittert. Wird er ständig nass und wieder trocken, quillt er auf und schrumpft immer wieder, und die Schichten lösen sich voneinander. Das ist der häufigste Grund dafür, dass sich Nägel an der Spitze in feine Lagen aufspalten.
Damit die Matrix einen kräftigen Nagel bauen kann, braucht sie dasselbe wie die Haarwurzel: Eiweiß, Energie, Sauerstoff, eine gute Durchblutung und eine Reihe von Mikronährstoffen. Fehlt davon etwas, wird der Nagel dünner, weicher oder unregelmäßig gebaut. Da der Körper bei Knappheit zuerst an Haaren und Nägeln spart, sind sie oft frühe Hinweise darauf, dass die Versorgung nicht stimmt.
Was die Nägel über deine Nährstoffe verraten
Nägel sind ein kleines Fenster in die Nährstoffversorgung. Bestimmte Veränderungen geben Hinweise darauf, was fehlen könnte. Eine sichere Aussage ersetzen sie nicht, dafür braucht es eine Messung, aber sie helfen bei der Suche.
Eisen steht dabei ganz vorn. Ein leerer Eisenspeicher zeigt sich oft an Haut, Haaren und Nägeln, mit brüchigen Nägeln, diffusem Haarausfall und rissiger, trockener Haut. Bei ausgeprägtem Mangel können die Nägel sogar dünn und löffelförmig nach oben gewölbt werden. Wichtig ist der Eisenspeicher, also das Ferritin. Ein Wert unter etwa 50 ist schon ungünstig, auch wenn das Blutbild noch unauffällig ist. Frauen mit starken Blutungen und Menschen, die wenig oder kein Fleisch essen, sind besonders häufig betroffen.
Zink ist der zweite große Kandidat. Es wird für die Zellteilung in der Nagelmatrix und für den Aufbau von Keratin gebraucht. Ein Zinkmangel kann sich durch brüchige Nägel, weiße Flecken und quer verlaufende Rillen zeigen, im Extremfall sogar durch eine Ablösung der Nagelplatte. Oft kommen weitere Zeichen dazu, etwa eine schlechte Wundheilung oder häufige Infekte. Sitzt das Zink im unteren Drittel des Bereichs und passen die Beschwerden dazu, spricht vieles für einen Mangel.
Biotin wird oft als das Nagelvitamin beworben. Es ist tatsächlich an der Keratinbildung beteiligt, und ein Mangel kann sich an brüchigen Nägeln zeigen. Ein echter Biotinmangel ist aber selten. Wer ihn nicht hat, profitiert von hohen Dosen wenig.
Auch Kupfer spielt mit. Ein kupferhaltiges Enzym vernetzt Kollagen- und Elastinfasern, und Kupfer hilft dabei, dass Eisen in die Zellen gelangt. Ein Kupfermangel ist allerdings selten. Ebenso wichtig sind B12 und Folsäure für die schnelle Zellteilung in der Matrix.
Und dann die Kehrseite: Auch zu viel kann schaden. Eine Überdosierung von Selen kann zu brüchigen Nägeln und Haarausfall führen. Darum gibt es bei uns keine hohe Dosis ohne Blutkontrolle. Bei Mineralien wie Zink, Kupfer und Selen schauen wir auf das Vollblut, weil sie größtenteils in den Zellen sitzen.
Schilddrüse, Eiweiß und Durchblutung
Neben den einzelnen Mikronährstoffen gibt es drei Bereiche, die das Nagelwachstum als Ganzes bestimmen.
Der erste ist die Schilddrüse. Ihre Hormone geben das Tempo der Zellteilung vor, auch in der Nagelmatrix. Bei einer Unterfunktion wachsen die Nägel langsamer, werden dünn, brüchig und manchmal gerillt. Häufig zeigen sich gleichzeitig weitere Zeichen: trockene, raue Haut, dünnes und glanzloses Haar, Frieren, Müdigkeit und Verstopfung. Wer mehrere davon bei sich bemerkt, sollte die Schilddrüse genauer anschauen lassen. Gemessen wird oft nur das TSH. Wir schauen zusätzlich auf die freien Hormone T3 und T4. Für die Umwandlung in die aktive Form braucht die Schilddrüse wiederum Selen, Zink und Eisen, und so schließt sich der Kreis zu den Nährstoffen. Weisen die Werte auf eine Erkrankung hin, gehört die weitere Abklärung in ärztliche Hände.
Der zweite Bereich ist das Eiweiß. Nägel bestehen fast vollständig aus Keratin, und Keratin ist besonders reich an der schwefelhaltigen Aminosäure Cystein. Wer über längere Zeit zu wenig Eiweiß isst, etwa durch strenge Diäten, sehr wenig Appetit oder eine einseitige Ernährung, gibt der Nagelmatrix zu wenig Material. Viele Menschen essen weniger Eiweiß, als sie glauben. Ein Blick ins Ernährungstagebuch zeigt das oft schneller als jede Blutprobe. Gute Quellen sind Eier, Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen. Am besten verteilst du sie über den Tag und isst zu jeder Mahlzeit eine gute Portion.
Der dritte Bereich ist die Durchblutung. Die Nagelmatrix bekommt Sauerstoff und Nährstoffe über feine Blutgefäße. Wer ständig kalte Hände hat, raucht oder unter Dauerstress steht, versorgt die Fingerspitzen schlechter. Auch ein Eisenmangel verschlechtert die Sauerstoffversorgung.
Bei Frauen können zudem die Hormone mitspielen. In den Wechseljahren, wenn das Östrogen sinkt, bemerken manche Frauen, dass ihre Nägel trockener und brüchiger werden, ähnlich wie ihre Haut.
Darum schauen wir bei brüchigen Nägeln nie nur auf einen einzelnen Wert. Oft ist es eine Mischung: ein niedriges Ferritin, ein Zink im unteren Bereich, etwas zu wenig Eiweiß und eine Schilddrüse, die nicht ganz rund läuft.
So schützt du deine Nägel im Alltag
Auch wenn die Ursache innen liegt, entscheidet der Alltag mit, wie gut deine Nägel halten. Ein paar Gewohnheiten machen einen großen Unterschied.
Am wichtigsten ist der Umgang mit Wasser. Nägel nehmen Wasser auf und quellen dabei, beim Trocknen schrumpfen sie wieder. Passiert das viele Male am Tag, lockern sich die Schichten, und der Nagel spaltet sich. Trag deshalb beim Spülen, Putzen und bei der Gartenarbeit Handschuhe, am besten mit Baumwolle darunter. Spülmittel und Putzmittel lösen zudem Fette, auch aus Nägeln und Haut.
Nach dem Händewaschen hilft eine reichhaltige Handcreme, die du auch in Nägel und Nagelhaut einmassierst. Ein paar Tropfen Öl am Abend halten den Nagel geschmeidig. Die Nagelhaut solltest du nicht abschneiden oder stark zurückschieben, denn sie schützt die Nagelwurzel vor Keimen.
Beim Kürzen gilt: Feilen ist schonender als Schneiden. Feile in eine Richtung, nicht hin und her, und am besten, wenn der Nagel trocken ist. Kurze Nägel brechen weniger leicht als lange. Nutze deine Nägel nicht als Werkzeug zum Öffnen, Kratzen oder Hebeln.
Nagellack und vor allem Nagellackentferner können den Nagel zusätzlich austrocknen. Wenn du Lack trägst, gönn deinen Nägeln zwischendurch Pausen und greif zu einem milden Entferner. Künstliche Nägel und häufige Gelbehandlungen können den Naturnagel darunter schwächen.
Und schließlich: Achte auf Warnzeichen. Verfärbte, gelbliche oder verdickte Nägel, Nägel, die sich vom Nagelbett ablösen, kleine Grübchen in der Nageloberfläche oder ein dunkler Streifen im Nagel, der neu aufgetreten ist, gehören immer hautärztlich angeschaut. Dahinter können ein Nagelpilz, eine Schuppenflechte oder andere Erkrankungen stecken, die eine eigene Behandlung brauchen. Auch eine schmerzende, gerötete Entzündung am Nagelrand gehört in ärztliche Hände.



