Warum ihr mindestens drei Monate vorher anfangt
Fangt am besten mindestens drei Monate vor der geplanten Schwangerschaft an, und zwar beide. Damit macht ihr nichts falsch. Der Grund liegt in der Biologie: Eine Eizelle reift nicht in den paar Tagen vor dem Eisprung, sondern über mehrere Monate, und die Versorgung in dieser Zeit beeinflusst ihre Qualität. Beim Mann ist es ähnlich. Bis ein Spermium fertig gebildet ist, vergehen etwa zweieinhalb bis drei Monate. Was ihr heute tut, wirkt sich also auf die Eizellen und Spermien in drei Monaten aus.
Dazu kommt, dass manche Nährstoffe schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft gebraucht werden, oft bevor man überhaupt weiß, dass man schwanger ist. Folat ist das bekannteste Beispiel. Es ist wichtig für die Entwicklung des Neuralrohrs, aus dem Gehirn und Rückenmark entstehen, und das geschieht in den ersten vier Wochen.
Und es gibt noch einen Grund: Wer mit Nährstoffmängeln in die Schwangerschaft geht, dem fehlen sie später noch mehr. Der Körper versorgt das Kind zuerst, und die Mutter muss sehen, wo sie bleibt. Viele Frauen merken das in der Schwangerschaft und danach als Erschöpfung, Haarausfall oder Stimmungstiefs.
Zu zweit fällt die Umstellung außerdem leichter. Wer gemeinsam weniger Alkohol trinkt, gemeinsam kocht und sich gegenseitig an die Supplements erinnert, bleibt eher dabei. Darum begleiten wir Paare gern zusammen.
Was der Mann beitragen kann
Kinderwunsch ist nicht nur Frauensache. Die Qualität der Spermien lässt sich beeinflussen, und zwar schneller, als viele denken, weil ständig neue Spermien gebildet werden.
Wärme ist ein unterschätzter Faktor. Die Hoden brauchen eine Temperatur von zwei bis vier Grad unter der Körpertemperatur, damit die Spermienbildung gut funktioniert. Lange Saunagänge, heiße Bäder und eine Sitzheizung, die regelmäßig von unten wärmt, können die Bildung hemmen. In der Zeit des Kinderwunsches lohnt es sich, darauf zu verzichten oder es stark einzuschränken.
Alkohol und Rauchen schaden der Spermienqualität ebenfalls. Sie können die Zahl der Spermien und ihre Beweglichkeit verringern und den Anteil fehlgebildeter Spermien erhöhen. Auch hier lohnt es sich, in der Vorbereitungszeit deutlich zu reduzieren, am besten ganz aufzuhören.
Dann die Nährstoffe: B-Vitamine, Selen, Zink und Jod sind für gesunde Spermien wichtig. Selen wird zum Beispiel für die Beweglichkeit der Spermien gebraucht, Zink für ihre Bildung und für das Testosteron. Wie bei der Frau gilt: messen lassen, was fehlt, und gezielt ausgleichen, statt auf gut Glück ein Kombipräparat zu nehmen.
Ein Vorteil beim Mann: Weil die Spermien ständig neu gebildet werden, zeigt sich jede Veränderung nach einigen Wochen bis Monaten. Was er heute ändert, steckt in den Spermien der kommenden Monate.
Und schließlich der Lebensstil. Übergewicht, Bewegungsmangel und Dauerstress senken das Testosteron und verschlechtern die Spermienqualität. Ein gesundes Gewicht, regelmäßige Bewegung und genug Schlaf helfen, und davon profitiert ihr beide. Nimmt er Testosteron oder Anabolika, bremst das die Spermienbildung. Das Absetzen und die Hormone steuert sein Arzt, wir begleiten daneben Ernährung und Nährstoffe.
Wenn es nicht so schnell klappt
„Warum klappt es nicht? Stimmt etwas nicht mit uns?“ Diese Frage hören wir oft. Die Antwort ist meist: Nein. Aber es gibt Dinge, wegen derer der Körper gerade nicht schwanger werden will. Und es ist gut zu wissen, dass es auch bei gesunden Paaren oft einige Monate dauert, weil die Chance in einem einzelnen Zyklus auch unter idealen Bedingungen begrenzt ist.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, etwa ein Nährstoffmangel, eine Schilddrüse, die nicht ganz rund läuft, viel Stress oder ein Zyklus, in dem der Eisprung nicht jedes Mal stattfindet. Daran lässt sich oft gut drehen. Manchmal braucht es mehr, etwa wenn ein PMOS (früher PCOS) vorliegt oder die Spermienqualität deutlich eingeschränkt ist. Dann ist die Zusammenarbeit mit einer Kinderwunschklinik wichtig. Die Grundlagen gehören in jedem Fall dazu: Nährstoffmängel ausgleichen und die Schilddrüse gut versorgen. Uns ist wichtig, dabei Schritt für Schritt vorzugehen und keine scheinbare Kleinigkeit zu übersehen. Erst wenn die häufigen Ursachen geklärt sind, lohnt sich der Blick auf seltene Themen. Und idealerweise arbeiten wir mit eurer Kinderwunschklinik zusammen, denn das ist für uns kein Entweder-oder.
Wie lange es dauert, bis es klappt, kann niemand seriös vorhersagen. Als Faustregel gilt: Wenn es nach einem Jahr mit regelmäßigem ungeschütztem Verkehr nicht geklappt hat, oder bei Frauen über 35 schon nach einem halben Jahr, lasst euch frauenärztlich oder in einer Kinderwunschklinik beraten. Bei einem sehr unregelmäßigen oder ausbleibenden Zyklus auch früher.
Und wir wissen, dass ein unerfüllter Kinderwunsch belastend ist, für beide. Darum gehört der Umgang mit Stress bei uns fest in den Plan, mit Übungen aus dem Stressmaster in der App, die zu euch passen.




