Wie die Abnehmspritze wirkt
Die Wirkstoffe der Abnehmspritzen ahmen ein Hormon nach, das dein Körper selbst bildet: GLP-1. Es wird nach dem Essen im Darm ausgeschüttet und ist eines deiner natürlichen Sättigungssignale. Es sagt dem Gehirn, dass du satt bist, lässt den Magen langsamer leeren und sorgt dafür, dass die Bauchspeicheldrüse Insulin vor allem dann ausschüttet, wenn der Blutzucker steigt.
Das körpereigene GLP-1 wirkt nur wenige Minuten. Die Wirkstoffe in den Spritzen sind so verändert, dass sie tagelang wirken. Bei den meisten heutigen Präparaten reicht darum eine Spritze pro Woche, und das Sättigungssignal ist dauerhaft eingeschaltet. Zusätzlich wird das Belohnungssystem im Gehirn gedämpft. Viele berichten, dass das ständige Denken ans Essen plötzlich still wird und die Lust auf Fettiges und Süßes nachlässt. In Studien essen Menschen unter diesen Wirkstoffen ohne bewusste Diät deutlich weniger, die Portionen werden kleiner, und Hochkalorisches verliert seinen Reiz.
Für viele Menschen mit starkem Übergewicht ist das eine große Erleichterung, denn der Hunger, gegen den sie jahrelang angekämpft haben, wird leiser. Mit dem Gewicht verbessern sich oft auch Blutzucker, Blutdruck und Blutfette. Ob die Spritze für dich infrage kommt, in welcher Dosis und wie lange, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt.
Was dabei leicht vergessen wird: Die Spritze verändert, wie viel du isst, aber nicht, was du isst. Sie sorgt auch nicht von selbst dafür, dass dein Körper bekommt, was er braucht. Wer plötzlich nur noch halb so viel isst, bekommt auch nur noch halb so viel Eiweiß, Eisen, Zink und Vitamine, wenn er nicht gezielt auswählt. Und genau hier entstehen die Probleme, die man der Spritze oft zuschreibt.
Oft dreht sich bei der Spritze vieles um die Dosis, und Ernährung und Training kommen zu kurz. Dabei entscheiden gerade diese beiden Punkte darüber, ob am Ende ein gesunder, kräftiger Körper steht oder einer, der zwar leichter, aber schwächer ist. Darum setzen wir genau dort an.
Warum Muskeln verloren gehen und warum das zählt
Wenn du weniger Energie aufnimmst, als du verbrauchst, holt sich der Körper den Rest aus seinen Speichern. Ein Teil kommt aus dem Fett, ein Teil aber auch aus den Muskeln. Das ist keine besondere Nebenwirkung der Spritze, sondern bei jedem Gewichtsverlust so. Muskeln verbrauchen viel Energie, und in einer Phase mit wenig Nahrung baut der Körper ab, was ihn viel kostet. Je schneller und stärker das Defizit ist und je weniger Eiweiß und Training im Spiel sind, desto größer ist der Anteil der Muskeln am Gewichtsverlust.
Warum das so wichtig ist? Muskeln sind dein Stoffwechselmotor. Sie verbrauchen auch in Ruhe Energie und bestimmen damit deinen Grundumsatz mit. Sie nehmen nach dem Essen den Großteil des Zuckers aus dem Blut auf, und zwar umso besser, je mehr du sie nutzt. Sie stützen Gelenke und Knochen und machen dich im Alltag stark. Wer abnimmt und dabei viel Muskulatur verliert, hat am Ende zwar weniger Gewicht, aber auch einen langsameren Stoffwechsel und einen schwächeren Körper.
Das rächt sich spätestens, wenn die Spritze abgesetzt wird. Dann kommt der Appetit zurück, oft schneller, als man denkt. Wer jetzt weniger Muskeln hat als vorher, verbraucht weniger Energie und nimmt leichter wieder zu. Und das, was zurückkommt, ist meist Fett, keine Muskeln. Im ungünstigsten Fall steht man nach einem Jahr mit ähnlichem Gewicht, aber mehr Fett und weniger Muskeln da als zu Beginn.
Die gute Nachricht: Dagegen kannst du viel tun. Mit genug Eiweiß und regelmäßigem Krafttraining bekommt der Körper das Signal, dass er seine Muskeln braucht. Dann holt er sich die fehlende Energie vor allem aus dem Fett.
Auf der Waage sieht man diesen Unterschied manchmal kaum. Wer Fett verliert und gleichzeitig Muskeln erhält oder sogar aufbaut, sieht auf der Waage oft weniger, als er sich wünscht. Der Körper verändert sich aber deutlich, denn ein Kilo Muskeln nimmt viel weniger Platz ein als ein Kilo Fett. Darum achten wir neben dem Gewicht auch auf deinen Bauchumfang, deine Kraft im Training und darauf, wie deine Kleidung sitzt.
Genug Eiweiß bei kleinem Appetit
Die größte praktische Herausforderung mit der Abnehmspritze ist das Eiweiß. Wer kaum Hunger hat, schafft oft nur einen Bruchteil dessen, was der Körper zum Muskelerhalt braucht. Als Richtwert gelten mindestens 1,6 Gramm Eiweiß je Kilogramm Körpergewicht, bei starkem Übergewicht rechnen wir mit einem angepassten Zielgewicht. Wie viel es bei dir genau ist, legen wir gemeinsam fest.
Damit das mit kleinem Appetit gelingt, helfen ein paar Grundregeln. Wähl Lebensmittel, die viel Eiweiß auf wenig Volumen liefern, etwa Magerquark, Skyr, Hüttenkäse, Eier, Fisch, Hähnchen, Garnelen oder Tofu. Ein Eiweißshake ist kein Ersatz für Essen, kann aber an Tagen mit wenig Appetit eine große Lücke schließen, weil Trinken oft leichter fällt als Essen.
Verteil das Eiweiß über den Tag. Statt einer großen Mahlzeit, die du nicht schaffst, sind drei bis vier kleinere oft leichter. Kleine Mahlzeiten helfen außerdem gegen die Übelkeit, die vor allem in den ersten Wochen und nach einer Dosiserhöhung häufig auftritt und mit der Zeit meist nachlässt. Fettige, sehr große Mahlzeiten verstärken sie dagegen oft.
Denk an die Nährstoffe. Wer weniger isst, muss bewusster auswählen. Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Eier liefern viel auf wenig Raum. Eisen, Zink, B-Vitamine, Vitamin D, Magnesium und Calcium sind bei kleinen Portionen besonders schnell knapp. Was davon du zusätzlich brauchst, zeigen deine Blutwerte. So kannst du auch dem Haarausfall vorbeugen, der sich nach einem starken Gewichtsverlust oft erst zwei bis drei Monate später zeigt, weil die Haare dann verzögert in die Ruhephase gehen.
Und vergiss das Trinken nicht. Mit dem Appetit sinkt bei vielen auch das Durstgefühl. Genug Wasser, ungesüßter Tee und Ballaststoffe aus Gemüse und Haferflocken helfen gegen Verstopfung und gegen die Müdigkeit, die manchmal einfach von zu wenig Flüssigkeit kommt.
Wenn du kaum noch etwas essen kannst oder starke Beschwerden hast, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt darüber, ob die Dosis angepasst werden kann.
Krafttraining und die Zeit nach der Spritze
Eiweiß allein reicht nicht. Damit der Körper seine Muskeln behält, braucht er einen Grund dafür, und dieser Grund ist das Krafttraining. Jedes Mal, wenn ein Muskel gegen einen Widerstand arbeitet, bekommt er das Signal, dass er gebraucht wird. Ohne diesen Reiz baut der Körper im Defizit deutlich mehr Muskeln ab.
Du bekommst von uns einen Trainingsplan, den du direkt in der App findest. Zwei bis drei Einheiten pro Woche für die großen Muskelgruppen sind eine gute Grundlage, etwa mit Kniebeugen, Rudern, Drücken und Hüftübungen, im Studio oder zu Hause. Wichtig ist, dass du dich über die Wochen langsam steigerst, denn nur ein Reiz, der fordert, wirkt. Wenn du wenig isst, passen wir Umfang und Intensität so an, dass du dich nach dem Training gestärkt und nicht ausgelaugt fühlst. Dazu kommt Bewegung im Alltag, also Spaziergänge, Treppen und Wege zu Fuß.
Krafttraining schützt dabei nicht nur die Muskeln, sondern auch die Knochen. Sie reagieren auf Zug und Druck, und gerade bei einem schnellen Gewichtsverlust mit wenig Nahrung brauchen sie diesen Reiz, zusammen mit genug Eiweiß, Calcium und Vitamin D.
Und dann kommt irgendwann der Tag, an dem du die Spritze absetzt. Viele erleben, dass der Appetit dann zurückkommt und mit ihm das Gewicht, vor allem wenn sie in der Zeit davor nichts an ihren Gewohnheiten verändert haben. Die Spritze ist kein Dauerwerkzeug, sondern eine Phase, die du nutzen kannst. In dieser Zeit lernst du, wie eine sättigende Mahlzeit aussieht, wie viel Eiweiß du brauchst, wie Training in deinen Alltag passt und wie du mit Hunger umgehst, wenn er wiederkommt.
Wer seine Muskeln behalten und neue Routinen aufgebaut hat, hat deutlich bessere Chancen, das Gewicht zu halten. Darum bereiten wir das Absetzen gemeinsam vor. Wann und wie die Dosis verringert wird, entscheidet deine Ärztin oder dein Arzt. Unser Teil ist, dass dein Plan auch danach mit dir weitergeht.



