Warum Sportler andere Blutwerte brauchen
Die Referenzbereiche auf deinem Befund beruhen auf den Werten der Menschen, die sich Blut abnehmen lassen. Das sind überwiegend Menschen, die keinen Leistungssport treiben. Für Sportlerinnen und Sportler passen diese Bereiche oft nicht, und zwar in beide Richtungen.
Manche Werte sollten bei dir höher liegen als bei jemandem, der wenig Sport macht. Das beste Beispiel ist das Hämoglobin. Es ist der eisenhaltige Farbstoff in den roten Blutkörperchen, der den Sauerstoff bindet. Je mehr Hämoglobin im Körper ist, desto mehr Sauerstoff kann zu den Muskeln transportiert werden, und desto höher kann die maximale Sauerstoffaufnahme liegen, die VO2max. Darum braucht ein Ausdauersportler meist ein anderes Hämoglobin als jemand, der zweimal pro Woche Krafttraining macht. Ein Wert, der für den Durchschnitt passt, kann für dich schon eine Bremse sein. Gleichzeitig vergrößert Ausdauertraining das Blutvolumen, sodass das Hämoglobin im Befund manchmal etwas verdünnt aussieht. Darum lesen wir es immer zusammen mit dem Ferritin und deiner Leistung.
Andere Werte liegen bei dir ganz normal höher, ohne dass das etwas Schlechtes bedeutet. Muskeln, die viel arbeiten, geben Stoffe ins Blut ab. Nach hartem Training steigen deshalb Werte wie die Creatinkinase oder die Leberenzyme. Und wer viel Muskelmasse hat, hat oft ein höheres Kreatinin.
Gleichzeitig ist der Körper von Sportlern stärker gefordert. Ein hohes Trainingspensum verbraucht mehr Energie, mehr Eisen, mehr Magnesium und mehr von vielen anderen Nährstoffen. Wer dabei nicht genug isst oder sich einseitig ernährt, gerät schneller in einen Mangel als jemand, der sich wenig bewegt.
Das bedeutet: Für Sportler reicht es nicht, auf Rot und Grün zu schauen. Man muss wissen, welche Werte durch das Training steigen, welche bei dir eher höher liegen sollten und welche Mängel bei Sportlern besonders häufig sind. Erst dann lässt sich sagen, ob ein Wert ein Problem ist, ein normaler Trainingseffekt oder ein Hinweis, dass du mehr Energie oder Nährstoffe brauchst.
Und noch etwas: Es gibt nicht den einen Sportler. Eine Marathonläuferin, ein Kraftsportler und eine Mannschaftsspielerin haben unterschiedliche Belastungen und brauchen einen unterschiedlichen Blick auf ihre Werte. Darum fragen wir in der Anamnese so genau nach deinem Training.
Wenn Training wie Krankheit aussieht: Kreatinin, Leberwerte und CK
Kaum etwas verunsichert Sportlerinnen und Sportler so sehr wie ein Befund, auf dem Organwerte markiert sind. Oft steckt dahinter einfach das Training. Wichtig ist nur, den Unterschied zu kennen.
Das Kreatinin ist ein klassischer Nierenwert. Es ist ein Abbauprodukt aus dem Muskelstoffwechsel und wird über die Nieren ausgeschieden. Steigt es, kann das auf eine schwächere Nierenfunktion hindeuten. Bei Sportlern gibt es aber zwei häufige harmlose Gründe: viel Muskelmasse und die Einnahme von Kreatin, einem beliebten Supplement im Kraftsport. Beides erhöht das Kreatinin, ohne dass die Niere etwas damit zu tun hat. In solchen Fällen lohnt sich der Blick auf das Cystatin C. Dieser Nierenwert ist unabhängig von Muskelmasse und Kreatin und zeigt deshalb in diesem Fall verlässlicher, wie gut die Nieren filtern.
Die Leberwerte GOT und GPT heißen zwar so, kommen aber nicht nur in der Leber vor, sondern auch in den Muskeln. Nach harten Einheiten können sie deshalb ansteigen, ohne dass die Leber Schaden genommen hat. Auch hier gilt: Ein leicht erhöhter Wert bei einem Sportler ist etwas anderes als derselbe Wert bei jemandem, der gar nicht trainiert.
Die Creatinkinase, kurz CK, ist ein Enzym aus den Muskeln. Nach intensivem Training tritt sie ins Blut über und bleibt dort oft mehrere Tage erhöht. Ähnlich verhält sich die LDH. Ein hoher Wert nach einem harten Training ist meist ein ganz normaler Trainingseffekt.
Und auch Entzündungswerte reagieren. Das CRP und die weißen Blutkörperchen können nach sehr intensiven Einheiten, etwa nach einem Wettkampf, für einige Tage erhöht sein. Das gehört zur Reparatur der Muskeln dazu.
Darum ist der Zeitpunkt so wichtig. Lass dir Blut am besten an einem Morgen abnehmen, an dem du vorher nicht trainiert hast, und mach am Vorabend keine extreme Einheit. Bleiben Werte auch unter diesen Bedingungen deutlich erhöht, oder gibt es Beschwerden wie dunklen Urin oder starke Muskelschmerzen, gehört das ärztlich abgeklärt.
Eisen, Energie und Nährstoffe: die häufigsten Engpässe
Bei Sportlerinnen und Sportlern zeigen sich immer wieder dieselben Engpässe. Der wichtigste ist das Eisen.
Eisen steckt im Hämoglobin und transportiert den Sauerstoff zu den Muskeln. Es ist außerdem Teil der Atmungskette in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen, wo aus Nahrung Energie gewonnen wird. Fehlt Eisen, leidet beides: der Sauerstofftransport und die Energiegewinnung. Ausdauersport erhöht den Bedarf, und gerade Läuferinnen mit Periode haben häufig einen leeren Speicher. Das Tückische ist, dass das Hämoglobin lange normal bleibt, während sich der Speicher schon leert. Ein Ferritin unter etwa 50 ist schon ein Grund zu handeln, auch ohne Blutarmut, denn oft zeigen sich dann bereits Müdigkeit, schlechte Regeneration und Kurzatmigkeit. Beim Ferritin ist außerdem Vorsicht geboten, denn es steigt nach intensiven Belastungen und bei Entzündungen an und kann dann einen vollen Speicher vortäuschen.
Für die Kraftwerke braucht der Körper aber noch mehr: Kupfer, die B-Vitamine B2 und B3 und das Coenzym Q10 sind an der Energiegewinnung beteiligt. Magnesium wird für die Muskelarbeit und die Entspannung danach gebraucht und geht teils über den Schweiß verloren. Vitamin D ist wichtig für Muskeln, Knochen und Abwehr.
Mindestens so wichtig wie die einzelnen Nährstoffe ist die Energie insgesamt. Wer viel trainiert und zu wenig isst, gerät in ein relatives Energiedefizit. Der Körper merkt, dass die Energie nicht für alles reicht, und spart dort, wo es kurzfristig nicht lebensnotwendig ist. Die Schilddrüse schaltet auf Sparflamme, das Testosteron sinkt, und bei Frauen kann der Zyklus unregelmäßig werden oder ganz ausbleiben. Viele merken das zuerst an einer schlechteren Regeneration und an Leistung, die trotz Training nicht mehr steigt.
Gerade Frauen, die sehr viel Ausdauersport machen und gleichzeitig wenig essen, sind davon betroffen. Ein Zyklus, der durch das Training ausbleibt, ist kein Zeichen von Fitness, sondern ein Signal, dass der Körper zu wenig Energie hat. Er gehört auch frauenärztlich angeschaut, weil er langfristig zum Beispiel die Knochen betrifft.
Darum gehören bei Sportlern nicht nur Eisen und Nährstoffe auf den Befund, sondern auch Schilddrüse und Hormone. Und darum steht im Fahrplan oft zuerst: mehr und passender essen.
Infekte, Regeneration und der Verlauf über die Saison
Viele Sportlerinnen und Sportler kommen zu uns, weil sie immer wieder durch Infekte aus dem Training geworfen werden. Gerade wer viel trainiert, kennt das: Kaum ist der Trainingsblock gut gelaufen, kommt die nächste Erkältung.
Sehr hohe Belastungen fordern das Immunsystem. Nach langen oder sehr intensiven Einheiten ist die Abwehr vorübergehend stärker beansprucht. Kommen dann noch zu wenig Schlaf, Stress im Beruf und ein Mangel an Vitamin D, Zink oder Selen dazu, haben Erreger leichtes Spiel. Darum schauen wir bei häufigen Infekten genau auf diese Nährstoffe, auf das Blutbild und auf die Frage, wie viel Erholung im Alltag tatsächlich stattfindet.
Erholung ist dabei nicht das Gegenteil von Training, sondern ein Teil davon. Training setzt einen Reiz, und erst in der Pause baut der Körper sich stärker wieder auf. Wer diese Pausen zu kurz hält, trainiert irgendwann nur noch in die Müdigkeit hinein. Typische Zeichen sind eine Leistung, die trotz Training sinkt, ein erhöhter Ruhepuls, schlechter Schlaf, Lustlosigkeit und häufige Infekte. Blutwerte allein beweisen das nicht, aber sie helfen, Mängel und Ursachen zu finden, die die Erholung zusätzlich bremsen.
Für Sportler ist deshalb auch der Zeitpunkt der Messung im Jahr spannend. Ein Befund in der Vorbereitung sieht oft anders aus als einer mitten in der Wettkampfphase oder nach einer langen Saison. Wer seine Werte im Verlauf kennt, sieht früh, wenn sich etwa das Ferritin über die Monate leert oder das Vitamin D im Winter absinkt, und kann gegensteuern, bevor die Leistung leidet.
Was im Fahrplan steht, richtet sich nach deinem Sport und deinen Werten. Oft gehören dazu eine Ernährung, die zu deinem Pensum passt, mit genug Kohlenhydraten an harten Tagen und genug Eiweiß für die Regeneration, gezielte Nährstoffe in der Dosis, die zu deinen Werten passt, und ein Plan für Schlaf und Erholung. Ziel ist, dass du nicht nur gesünder trainierst, sondern dass dein Körper das Training auch in Leistung umsetzen kann.
