Müde, obwohl alles in Ordnung sein soll
Die meisten, die mit Energiemangel zu uns kommen, sind Frauen zwischen 30 und 40. Sie stehen voll im Job, viele haben Familie, und sie waren schon beim Hausarzt. Die Blutwerte waren laut Befund in Ordnung, der Rat lautete: mehr schlafen, weniger Stress.
Das Problem ist selten die Ärztin oder der Arzt, sondern das, was gemessen wird. Oft ist es vor allem das große Blutbild, also die Blutzellen. Nährstoffe fehlen, und die Schilddrüse wird nur über das TSH beurteilt.
Das beste Beispiel ist das Eisen. Der Körper legt dafür einen Speicher an, und dessen Füllstand zeigt das Ferritin. Wenn Eisen fehlt, wird zuerst dieser Speicher geleert, während das Hämoglobin noch lange normal bleibt. In dieser Zeit fühlen sich viele Frauen schon schlecht: müde, kurzatmig beim Treppensteigen, mit Haarausfall und brüchigen Nägeln. Ein Ferritin unter etwa 50 gilt bereits als Eisenmangel ohne Blutarmut, auch wenn die Laborgrenze viel niedriger liegt.
Dazu kommt oft eine Schilddrüse, die nicht ganz rund läuft. Sie braucht Eisen, Jod und Selen, und bei Frauen fehlen nicht selten alle drei gleichzeitig. Und viele essen schlicht zu wenig, vor allem zu wenig Eiweiß und Kohlenhydrate. Wer gezielt messen lässt und die Werte mit dem Alltag zusammen betrachtet, findet bei Energiemangel oft eine Spur.
Zyklus, Pille und PMOS (früher PCOS)
Dein Zyklus zeigt, wie gut dein Hormonsystem zusammenarbeitet. Ist er regelmäßig, die Blutung normal stark und das PMS gering, ist das ein gutes Zeichen. Gerät er aus dem Takt, lohnt es sich hinzuschauen.
PMS ist häufig, aber nicht normal. Oft steckt ein relativer Progesteronmangel dahinter, ein unruhiger Blutzucker in der zweiten Zyklushälfte, Stress oder ein Mangel an Nährstoffen wie Magnesium und B-Vitaminen.
Was viele nicht wissen: Ein ausbleibender Eisprung ist häufiger, als man denkt, und man merkt ihn nicht unbedingt, denn die Blutung kommt trotzdem. Ohne Eisprung bildet sich kein Gelbkörper und damit kaum Progesteron. Auch die Schilddrüse spielt mit, denn sie ist eng mit den Geschlechtshormonen verbunden. Läuft sie nicht rund, gerät oft auch der Zyklus durcheinander. Und der Darm beeinflusst, wie viel Östrogen wieder ins Blut gelangt, statt ausgeschieden zu werden.
Wer die Pille absetzt, braucht manchmal Geduld. Der eigene Zyklus muss erst wieder in Gang kommen, und manchmal kehren genau die Beschwerden zurück, wegen derer man die Pille einst genommen hat, etwa unreine Haut oder starke Blutungen. Die Pille hat sie überdeckt, nicht gelöst.
Und dann gibt es das PMOS, eine der häufigsten Hormonstörungen bei Frauen im gebärfähigen Alter. Die Eierstöcke bilden mehr männliche Hormone als üblich, häufig spielt eine Insulinresistenz die Hauptrolle, bei anderen Frauen eher Stress. Die Diagnose stellt deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt. Wir schauen mit dir, was bei dir im Vordergrund steht, und begleiten dich bei Ernährung, Bewegung und Stressmanagement.
Jetzt die Weichen stellen
Mit Anfang 30 hast du einen großen Vorteil: Du kannst früh gegensteuern. Ab Mitte 30 beginnt bei vielen Frauen das Progesteron langsam zu sinken, oft lange bevor sich beim Östrogen etwas tut. Die ersten Zeichen sind häufig schlechterer Schlaf, stärkeres PMS oder kürzere Zyklen. Wer seine Grundlagen jetzt in Ordnung bringt, geht viel besser vorbereitet in die Jahre danach.
Das gilt auch für einen Kinderwunsch. Fang am besten mindestens drei Monate vor der geplanten Schwangerschaft an, denn eine Eizelle reift über mehrere Monate heran. Wer mit vollen Speichern startet, ist für die Schwangerschaft und die Zeit danach besser gerüstet.
Die Basis ist in jeder Phase dieselbe. Genug Eiweiß zu jeder Mahlzeit. Ein Bewegungsprogramm mit Krafttraining, das in deinen Alltag passt. Ein Umgang mit Stress, der im Alltag funktioniert, und guter Schlaf. Und eine Nährstoffversorgung, die zu deinen Werten passt und nicht zu einem Ratschlag aus dem Internet.
Wir machen daraus keinen Plan zum Abheften. Du trackst deine Ernährung in der App, beantwortest jeden Tag ein paar kurze Fragen zu Energie, Verdauung und Stimmung, und wir passen gemeinsam an, was nicht greift. Es ist kein Programm mit Verboten. Du darfst weiter essen gehen, Kuchen essen und Urlaub machen. Wichtig ist nur, dass du die Empfehlungen wirklich ausprobierst und uns sagst, wenn etwas nicht passt, denn nur dann können wir gezielt nachjustieren.




