Die Haut zeigt, was innen los ist
Wer mit Hautproblemen zu uns kommt, hat meist eine lange Liste ausprobierter Produkte hinter sich. Viele sind Frauen in den Wechseljahren, in ihren 40ern und 50ern. Bei Neurodermitis und Rosazea ist die Gruppe gemischter, Männer und Frauen ab etwa 30.
Die Haut ist dein größtes Organ und gleichzeitig ein Spiegel. Sie erneuert sich ständig, etwa alle vier Wochen ist die oberste Schicht komplett ausgetauscht. Für diese Erneuerung braucht sie Nährstoffe, ein ruhiges Immunsystem und ausgeglichene Hormone. Fehlt etwas davon, zeigt sie es.
Fast immer stecken drei Bereiche dahinter: Hormone, Nährstoffe und der Darm. Welcher davon den Ausschlag gibt, zeigen Anamnese und Diagnostik.
Bei hormonell bedingten Hautproblemen geht es oft um ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone. Männliche Hormone regen die Talgdrüsen an. Ist ihr Einfluss zu groß, etwa bei einem PMOS (früher PCOS) oder wenn Östrogen und Progesteron nicht im Gleichgewicht sind, produziert die Haut mehr Talg, die Poren verstopfen, und es entstehen Pickel, besonders am Kinn, am Kiefer und rund um den Zyklus.
Beim Darm ist es oft eine durchlässige Darmschleimhaut. Wenn Stoffe durch die Darmwand gelangen, die dort nicht hingehören, reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung, und die zeigt sich auf der Haut. Bei Neurodermitis setzen wir deshalb direkt am Darm an, immer nur zusätzlich zu deiner hautärztlichen Behandlung, nie als Ersatz. Auch Histamin spielt eine Rolle: Wenn der Körper mehr davon hat, als er abbauen kann, kann das Juckreiz und Quaddeln auslösen.
Nährstoffmängel kommen fast immer dazu. Zink ist für die Wundheilung und die Talgproduktion wichtig, Omega-3 für die Regulation von Entzündungen, Vitamin D für die Abwehr der Haut. Fehlen wichtige Nährstoffe, entsteht außerdem mehr oxidativer Stress, und die Haut ist schlechter gegen UV-Licht und Umweltbelastungen geschützt. Sie altert schneller und wird empfindlicher.
Darum gilt für Hautthemen bei uns: Darm und Hormone stehen im Mittelpunkt, die Nährstoffe gehören immer dazu. Und weil die Haut einige Wochen braucht, um sich zu erneuern, braucht es auch einige Wochen Geduld, bis man Veränderungen sieht.
Warum Haare oft erst Monate später ausfallen
Viele Menschen wundern sich, dass ihnen die Haare ausfallen, obwohl die stressige Zeit längst vorbei ist. Das liegt am Wachstumszyklus der Haare.
Jedes Haar durchläuft drei Phasen. In der Wachstumsphase, der Anagenphase, wächst es über mehrere Jahre, etwa einen Zentimeter im Monat. Danach folgt eine kurze Übergangsphase von einigen Wochen, die Katagenphase, in der das Wachstum stoppt und sich die Haarwurzel zurückbildet. Zum Schluss kommt die Ruhephase, die Telogenphase. Sie dauert etwa zwei bis drei Monate, an ihrem Ende fällt das Haar aus, und ein neues wächst nach.
Normalerweise befinden sich die allermeisten Haare in der Wachstumsphase und nur ein kleiner Teil in der Ruhephase. Darum verliert jeder Mensch jeden Tag ein paar Dutzend Haare, ohne dass es auffällt.
Ein starker Auslöser wie eine sehr stressige Phase, ein Infekt mit Fieber, eine Geburt, eine strenge Diät oder ein deutlicher Nährstoffmangel schiebt viele Haare gleichzeitig vorzeitig in die Ruhephase. Sie hören auf zu wachsen, fallen aber nicht sofort aus. Erst zwei bis drei Monate später, am Ende der Ruhephase, lösen sie sich, dann allerdings in großer Zahl. Fachleute sprechen vom telogenen Effluvium.
Das ist erschreckend, aber auch eine gute Nachricht: Die Haarwurzeln sind meist nicht geschädigt. Die Haare wachsen wieder nach, wenn der Auslöser weg ist. Bis man das sieht, dauert es allerdings, weil Haare nur langsam wachsen. Nach einigen Monaten zeigen sich oft kurze, neue Haare am Haaransatz.
Wichtig ist, dass der Auslöser nicht wiederkommt. Darum gehört bei uns nach einer stressigen Phase das Stressmanagement fest in den Plan. Und wir gleichen die Nährstoffe aus, die die Haarwurzeln für den Neustart brauchen.
Haarausfall hat viele Gesichter
Hinter Haarausfall steckt nicht immer dasselbe. Die häufigsten Ursachen, die wir sehen:
Eisenmangel ist bei Frauen ganz vorn mit dabei, oft ohne dass eine Blutarmut sichtbar ist. Der Körper spart bei einem Mangel zuerst an Geweben, die er nicht zum Überleben braucht, und dazu gehören die Haare. Auch eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Zink- oder Kupfermangel lassen das Haar dünner werden.
Hormone spielen eine große Rolle. In den Wechseljahren kann ein sinkender Östrogenspiegel das Haar ausdünnen, denn Östrogen verlängert die Wachstumsphase. Nach der Geburt fällt das Östrogen schlagartig ab, und viele Frauen verlieren einige Monate später auffällig viele Haare. Auch nach dem Absetzen der Pille kann das passieren.
Bei Männern, aber auch bei manchen Frauen, reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf DHT, einen Abkömmling des Testosterons. Unter seinem Einfluss werden die Haarwurzeln von Jahr zu Jahr kleiner, und die Haare werden dünner und kürzer, bis sie ganz verschwinden. Das nennt man erblich bedingten Haarausfall. Bei Männern beginnt er typischerweise an den Schläfen und am Hinterkopf, bei Frauen eher als breiter werdender Scheitel.
Dazu kommen chronischer Stress und schädliche Einflüsse wie Rauchen. Bei Rauchern ist erblich bedingter Haarausfall deutlich häufiger, vermutlich weil die Giftstoffe im Rauch die Haarwurzeln schädigen. Und manchmal ist die Kopfhaut selbst entzündet.
Ein Eiweißmangel ist als Ursache dagegen eher selten, auch wenn man das oft liest.
Weil die Ursachen so verschieden sind, gibt es bei uns keinen Standardplan. Eine Frau mit Schilddrüsenunterfunktion und Eisenmangel bekommt einen ganz anderen Plan als ein Mann Mitte 30, dessen Haarwurzeln auf DHT reagieren. Bei erblich bedingtem Haarausfall gilt: Je früher man gegensteuert, desto mehr lässt sich erhalten. Medikamente gehören dabei in die Hände deiner Ärztin oder deines Arztes, mit der oder dem wir uns abstimmen. Wir kümmern uns um Nährstoffe, Lebensstil und darum, dass die Haarwurzeln alles bekommen, was sie brauchen.
Wenn die Creme nur kurz hilft
„Mit der Creme wird es doch besser“, hören wir oft. Und das stimmt auch, für eine Weile.
Viele Cremes gegen unreine oder entzündete Haut wirken gegen Bakterien. Bei manchen Hautproblemen verhornt die Haut zu stark, und die abgestorbenen Hautzellen bleiben in den Poren hängen. Zusammen mit dem Talg ist das ein idealer Nährboden für Bakterien, die die Entzündung weiter anheizen. Nimmt die Creme den Bakterien die Grundlage, beruhigt sich die Entzündung. Man sieht eine Verbesserung.
An der Ursache ändert das aber nichts. Warum die Haut zu viel Talg bildet, zu stark verhornt oder entzündet ist, bleibt offen. Sobald man die Creme weglässt, kommt das Problem zurück. Viele kennen diesen Kreislauf seit Jahren.
Dazu kommt: Manche Pflegeprodukte enthalten Stoffe, die in den Hormonhaushalt eingreifen können, etwa bestimmte Konservierungsstoffe oder UV-Filter. Und manche Produkte reizen die Hautbarriere eher, als dass sie sie schützen, etwa durch scharfe Reinigung oder viele Duftstoffe. Auf lange Sicht kann das das Grundproblem sogar verschlechtern.
Das heißt nicht, dass du alle deine Produkte wegwerfen sollst. Eine gute, milde Pflege ist wichtig, und bei manchen Hauterkrankungen ist eine ärztlich verordnete Creme unverzichtbar. Aber wenn die Haut immer wieder Probleme macht, lohnt sich der Blick nach innen: auf die Hormone, auf den Darm und auf die Nährstoffe. Erst wenn dort alles stimmt, kann die Haut sich dauerhaft beruhigen.
Ein guter erster Schritt ist, die Pflege zu vereinfachen. Weniger Produkte, milde Reinigung, keine Duftstoffe. So siehst du besser, wie deine Haut wirklich reagiert, und belastest sie nicht zusätzlich.
Wann wir begleiten und wann nicht
Wir begleiten dich bei Neurodermitis, bei Akne, auch hormonell bedingter Akne, bei Rosazea, bei trockener Haut und wenn du dir einfach eine schönere Haut wünschst. Bei Neurodermitis und Rosazea begleiten wir dich nur zusätzlich zu deiner hautärztlichen Behandlung, nie als Ersatz. Bei Haarausfall begleiten wir, wenn Nährstoffe, Hormone, Schilddrüse, Darm oder Stress dahinterstecken könnten, und das ist bei den meisten Menschen der Fall.
Bei Neurodermitis setzen wir am Darm an und bringen Ernährung, Nährstoffe und Stress ins Gleichgewicht. Bei Akne schauen wir vor allem auf die Hormone und den Blutzucker, denn auch starke Blutzuckerschwankungen und viel Insulin können die Talgproduktion anregen. Bei Rosazea spielen oft der Darm und Histamin eine Rolle, und auch hier arbeiten wir nur zusätzlich zu deiner hautärztlichen Behandlung, nie als Ersatz.
Bei Schuppenflechte begleiten wir nur zusätzlich zur ärztlichen Behandlung und niemals als Ersatz für Medikamente. Schuppenflechte ist eine Autoimmunerkrankung, und auch hier hängt viel mit dem Darm zusammen. Darum kann es sich lohnen, das Mikrobiom zu verbessern, mit der Hoffnung, dass die Beschwerden zurückgehen. Ein Versprechen ist das nicht.
Nicht zu uns, sondern direkt zur Ärztin oder zum Arzt gehören: auffällige Muttermale oder der Verdacht auf Hautkrebs, offene oder infizierte Wunden, akute schwere Schübe und unklare Ausschläge mit Fieber. Auch plötzlicher, kreisrunder Haarausfall sollte zuerst ärztlich angeschaut werden.
Im Zweifel klären wir das im kostenlosen Erstgespräch. Wenn wir den Eindruck haben, dass du zuerst ärztlich abgeklärt werden solltest, sagen wir dir das offen. Und wenn eine ärztliche Behandlung läuft, stimmen wir uns gern mit deiner Hautärztin oder deinem Hautarzt ab. Eine gute Pflege, die richtige Behandlung von außen und die Arbeit an den Ursachen von innen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich. Viele Menschen, die zu uns kommen, haben genau diese Verbindung bisher vermisst.



