Nahrungsergänzung

Öffentlichkeit

Das Thema Nahrungsergänzungsmittel (NEM) ist in Deutschland sehr umstritten, und in der öffentlichen Berichterstattung wird im Prinzip immer negativ für NEM berichtet. Auch die DGE spricht sich gegen NEM aus, da die Bevölkerung allgemein „ausreichend“ mit Mikronährstoffen versorgt sei, was mangelbedingte Krankheiten verhindere. Gleichzeitig sei die Gefahr einer Überdosierung größer als der erwartbare Nutzen. Die Grünen legten sogar einen Gesetzesentwurf vor, der den Vertrieb von NEM stark einschränken soll, was die Versorgung mit Nährstoffen für Bürger, die eigenverantwortlich etwas für ihre Gesundheit zu möchten, drastisch erschweren würde. Zwischen der Verhinderung von Vitaminmangelerkrankungen und einer guten/optimalen Nährstoffversorgung lieg einfach ein großer Unterschied. Gleichzeitig gibt es durchaus Nährstoffe, bei denen man bei der Dosierung etwas aufpassen muss. Dies ist jedoch auch immer sehr individuell und von konkreten Blutwerten und der Genetik der jeweiligen Person abhängig. 

 

Falsches Verständnis

Die Aussage der DGE, dass man ausreichend mit Mikronährstoffen versorgt ist, ist durchaus richtig. Mangelbedingte Krankheiten wie Skorbut oder Rachitis gehören der Vergangenheit an. Die Verhinderung eines Mangels (Schulnote 4) und eine gute bis sehr gute Versorgung (Note 1 oder 2) sind jedoch zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe. In Deutschland werden für viele Mikronährstoffe die Referenzbereiche unterschritten, womit eine ausreichende Versorgung mit keinen schwereren Folgen wie inneren Blutungen, Knochendeformierung oder Blindheit gesichert wäre. Aber sollte das wirklich der Anspruch an seine Gesundheit sein? Hinzukommt, dass diese Referenzwerte auf Schätzungen durch die zugeführte Nahrung basieren. Erstens ist es durchaus möglich, dass der Gemüse – und Obstkonsum von Personen etwas geschönt wird und zweitens sind die Mikronährstoffgehälter in den Lebensmitteln verglichen mit den letzten Jahrzehnten aus verschiedensten Gründen zurückgegangen, was hier gar nicht berücksichtigt wird. Konkrete Blutmessungen auf intrazellulärer Basis zeigen ein deutlich schlechteres Bild und teilweise starke Defizite in der Mikronährstoffversorgung, was mit einem höheren Risiko für chronische Krankheiten und Befindlichkeitsstörungen einhergeht. Bevor es weiter um NEM geht, muss nochmal klargestellt werden, dass die Basis immer eine „gesunde“ Ernährung mit einem möglichst geringen Anteil an stark verarbeiteten Lebensmitteln sein muss. Es bringt fast gar nichts eine schlechte Ernährung mit NEM zu ergänzen oder sogar nach dem Motto vorzugehen, dass man sich schlecht ernähren kann, da die NEM dies ausgleichen würden. Das ist nicht der Fall. 

 

Nährstoffdefitize

Aber was ist überhaupt eine ausgewogene gesunde Ernährung? Vegan? Vegetarisch? Mischkost? Paleo? Darauf wird im Artikel „Ausgewogene Ernährung. Was heißt das?“ eingegangen. Das Thema Ernährung ist jedoch höchst individuell zu betrachten, weswegen es nicht die Ernährungsform gibt. Veganer und Vegetarier müssen z.b. ein paar Sachen ergänzen, da sie diese sehr unzureichend, also wirklich mangelhaft oder gar nicht durch die Nahrung bekommen, weswegen der Artikel der DGE zu Nahrungsergänzungsmittel leider sehr undifferenziert, fast schon fahrlässig ist. Omega 3, B12, Jod, Eisen,  Selen, Cholin, und Zink, sind für Veganer/Vegetarier sehr sinnvolle Ergänzungen, die teilweise zwingend supplementiert werden sollten. In der Mischkost sind gängige defizitäre Nährstoffe Vitamin C, Magnesium, Iod, Omega-3 und Folsäure, also B9.  Die häufigste Unterversorgung mit einem Vitamin, das streng genommen ein Hormon ist, ist das Vitamin D. Paradoxerweise wird dieses nur zu ca. 10% über die Nahrung aufgenommen. Der Großteil wird über die Sonneneinstrahlung in der Haut synthetisiert und über die Nieren und Leber umgewandelt. In Deutschland sind ca. 60% der Menschen unterversorgt und 30% mangelversorgt, wobei man erst ab einem Wert von unter 30 nmol/l als mangel versorgt gilt. Neuere internationale, wissenschaftliche Publikationen, empfehlen deutlich höhere Spiegel, weswegen mehr Menschen in Deutschland plötzlich in den Mangelbereich rutschen würden. Die DGE empfiehlt 800 IE Vitamin D am Tag, um einen ausreichenden Vitamin D-Spiegel zu erreichen. Mit dieser Vorgabe lassen sich für einen Großteil der Leute keine guten Vitamin-D Werte in Deutschland erreichen, und man kann das Geld, wenn man so gering dosiert, sparen. Was die Gründe hierfür sind, wird im Artikel „Vitamin D“ erklärt. Aktuelle wissenschaftliche Vorgaben reichen von 2000-10000 IE am Tag. In Deutschland ist eine Supplementation von Vitamin D fast schon zwingend notwendig, wenn man verhindern möchte, dass der Stoffwechsel und das Immunsystem auf Sparflamme laufen, weswegen hier eine Nahrungsergänzung definitiv sinnvoll ist.

 

Omega-3

Ein weiteres Supplement, das essenziell ist, ist Omega-3. Die genauen Funktionen im Organismus werden im Artikel „Omega-3/Omega-6“ behandelt, wobei der wichtigste Faktor für eine Omega-3-Supplementation, die antientzündliche Wirkung ist. Fast jede Zivilisationskrankheit wie Diabetes, Atherosklerose, Demenz, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Rheuma usw. beginnt mit einer Entzündung, die ein maßgeblicher Faktor bei der weiteren Entstehung der Krankheit sind. Dementsprechend ist es essenziell, die Entzündungen in seinem Körper auf ein Minimum zu reduzieren. Die Problematik ist, dass die heutigen Umstände extrem entzündungsfördernd sind: Lebensmittelindustrie, Umweltgifte, Stress, suboptimaler Schlaf und Bewegungsmangel sind einige Beispiele, die sehr viele Krankheiten stark begünstigen können. Daher ist Omega-3 eine sehr gute Ergänzung, um das Entzündungsgeschehen im Körper zu drosseln, auch bei einer „gesunden“ Ernährungsweise. Die Konzentrationen in Fisch sind deutlich zurückgegangen und reichen nicht aus, um gesundheitlich davon zu profitieren, es sei denn, es wird wirklich mehrmals die Woche fettiger Fisch gegessen. Aufgrund der steigenden Schadstoffbelastung in Fischen, würde ich jedoch dringend davon abraten, und lieber mit einem hochwertigen Präparat ergänzen. Konkrete Empfehlungen gibt es im Artikel zu „Omega 3/Omega 6“.

 

Magnesium

Viele denken, Magnesium sei nur für Sportler relevant, aber dem ist nicht so. Magnesium ist an ca. 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt und damit maßgeblich für die Funktionsweise unseres Stoffwechsels verantwortlich. Es sorgt u.a. für die Umwandung der Makronährstoffe in ATP, der Energieeinheit unseres Körpers, wirkt an der Produktion von stressregulierenden Hormonen mit, entgiftet, hilft bei der Aufnahme von Glucose und reguliert die Blutfette und den Blutdruck.  Da die meisten Leute relativ viel Alltagsstress haben, wird viel Magnesium verbraucht, weswegen viele Personen unterversorgt sind, was die Stressresistenz deutlich reduziert, da bei unzureichender Aufnahme weniger Magnesium zur Verfügung steht, um die Stressregulatoren zu bilden. Häufige Mangelsymptome sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, innere Unruhe und Konzentrationsprobleme. Zudem ist der Anteil an Magnesium in unseren Nahrungsmitteln sehr stark zurückgegangen. Die zusätzliche Einnahme von Magnesium durch NEM ist in der heutigen Zeit definitiv sinnvoll und empfehlenswert. Diese drei Supplemente bilden die Basis und können wirklich uneingeschränkt empfohlen werden. Weitere Supplemente sollte man im Idealfall, angepasst an das Blutbild, einnehmen und nachmessen lassen, um nachkontrollieren, ob die Dosierung stimmt. Weitere sinnvolle Ergänzungen können Jod, Selen, Vitamin C, B-Komplex, B12 und Zink sein.

 

Gefahr der Überdosierung

Selbstverständlich ist bei diesen Präparaten eine Überdosierung möglich, die bei natürlichen Lebensmitteln so gut wie unmöglich ist. Gerade bei den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K und Mineralien wie Eisen, Zink, Chrom, Selen oder Mangan ist darauf zu achten nicht zu überdosieren, wobei dies eher ein seltenes Problem ist. Es müssten wirklich sehr hohe Mengen über einen längeren Zeitraum zugeführt werden, um in eine Überdosis zu geraten. Dies hängt natürlich von der Dosierung des Präparats ab: Je höher die Dosierung, desto größer ist die Gefahr einer zu großen Zufuhr. In der Regel könnte man bei den meisten Präparaten ein Vielfaches der Dosis einnehmen und wäre immer noch im grünen Bereich. Das liegt daran, dass es bestimmte Dosierungsvorgaben gibt. Beispielsweise muss auf Packungen von Vitamin D – Kapseln, die 5000 IE enthalten, geschrieben werden, dass es sich um ein Dreitagesdepot handelt, obwohl die aktuelle Wissenschaft 3000-5000 IE empfiehlt und sogar 10000 IE am Tag als sicher einstuft. Hier ist Eigenverantwortung gefragt und man sollte sich bei einem Experten oder über wissenschaftliche Daten informieren, welche Dosierungen denn wirklich geeignet sind, sowohl nach oben als auch nach unten.

 

Fazit

Abschließend lässt sich festhalten, dass in der Realität der meisten Menschen NEM erforderlich sind, um seine Gesundheit und Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Ein Problem, dass ich sehe, ist, dass viele Menschen eine direkte Wirkung von NEM erwarten, dies wird aber bei vielen Leuten nicht eintreffen. Man muss langfristig denken, und eine dauerhafte Unterversorgung kann sich irgendwann gesundheitlich rächen. Die meisten Leute merken nicht, dass sie Diabetes und andere schlimme Krankheiten bekommen und plötzlich sind sie da. Daher ist es ein Trugschluss zu glauben, dass Nährstoffe nicht wirken, weil man nicht immer direkt etwas merkt. Man merkt ja auch oft nicht, dass man eine chronische Krankheit entwickelt.