Probleme der heutigen Ernährung

Der Ernährungsstatus der heutigen Gesellschaft ist ziemlich paradox. Denn auf der einen Seite essen wir zu viele Kalorien, weswegen zwei Drittel der Menschen übergewichtig sind. Auf der anderen Seite jedoch essen wir zu wenig Nährstoffe, weswegen unserem Körper wichtige Vitalstoffe für die Funktionsweise des gesamten Systems fehlen. Es herrscht also ein ziemlich starkes Missverhältnis zwischen der Energie- und Nährstoffzufuhr. Dies ist den stark verarbeiteten Produkten der Lebensmittelindustrie geschuldet, in denen Zucker, leere Kohlenhydrate und schlechte Fette anstelle von guten Nährstoffen enthalten sind.

Auch in Weizenprodukten wie Brot, Nudeln, Semmeln, Brezen sind so gut wie keine Mikronährstoffe bei gleichzeitig hohem Kaloriengehalt enthalten. In Deutschland ist vor allem das Brot die beliebteste Kohlenhydratquelle, die an jeder Ecke vertrieben wird, jedoch leider sehr wenig Vitalstoffe bietet. Die klassische westliche Ernährung bietet nicht nur kaum Nährstoffe, sondern macht den Organismus durch unphysiologische Zuckermengen, Transfette, zu viele Zusatzstoffe und zu viele Kalorien auch auf direktem Weg krank. Wichtig zu verstehen ist, dass man diese Lebensmittel alle essen darf, nur eben eingebettet in eine insgesamt gesunde Ernährung in einem bestimmten Rahmen.

Der Nährstoffmangel bringt zwei große Probleme mit sich: Zum einen fehlen dem Körper wichtige Bausteine zur Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Zum anderen können wir mehr essen als vorgesehen ist, da der Körper einen sogenannten Nährstoffhunger auslöst, damit er genügend versorgt wird. Dies passiert mit vielen angebotenen Produkten leider nicht. Die Folge ist, dass die überschüssigen Kalorien am Bauch weiter wachsen, während sich unser Hormon-,Immun-, Organ- und Herz-Kreislauf-System um die wenigen Nährstoffe prügeln muss.

Der Körper ist sehr intelligent und bedient die Systeme nach dem Prinzip der Triage, sodass die lebensnotwendigen Vorgänge abgesichert werden und auch andere Vorgänge zumindest in ausreichender Form vonstattengehen. Das ist, als würde man seinen Ferrari mit Benzin der falschen Octanstufe tanken und dann auch noch mit angezogener Handbremse und viel zu viel Zusatzgewicht fahren. Das Auto kommt schon irgendwie von A nach B, aber kann nicht im Ansatz die volle Leistung entfalten, bei gleichzeitig größeren Abnutzungserscheinungen. Diese Abnutzungserscheinungen kann man sich als innere Entzündungen vorstellen, die das Risiko für chronische Krankheiten erhöhen.

Heutzutage ist auch eine gesunde Ernährung in den allermeisten Fällen nicht bedarfsdeckend, was verschiedene Gründe hat. Die Konzentration an Vitaminen und Mineralstoffen in Obst und Gemüse ist im Vergleich zum letzten Jahrhundert gesunken. Dies liegt am Rückgang der Vitalstoffen in den Anbauflächen, an verfrühter Abernten, Überzüchtung (mehr Früchte pro Pflanze >> weniger Nährstoffe pro Frucht), an langen Transportwegen und Lagerzeiten von Obst und Gemüse und am steigenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Auch in herkömmlichem Fleisch und Fisch sind teilweise weniger Vitalstoffe als früher enthalten (minderwertiges Futter, unartgerechte Haltung, Stress für die Tiere). Gleichzeitig ist jedoch unser Bedarf gestiegen, da der Alltag bei vielen von uns chronischen Stress auslöst, und somit mehr Mikronährstoffe benötigt werden.

Man kann auch durchaus annehmen, dass das Leben früher stressiger war, aber dem ist nicht so. Geht man sehr lange in der Zeit zurück, gab es, für die Jäger übertrieben ausgedrückt, eine Stresssituation am Tag, wenn man z.b. einem Tiger gegenüber stand, den man erlegen muss. Auch vor 60 Jahren noch, als es noch die klassische Rollenverteilung gab, machte die Frau den Haushalt, während der Mann das Geld verdiente. Heutzutage macht aber jeder sehr viele Dinge gleichzeitig: Karriere, Studium, Haushalt, Kochen, Hobbys, Freunde, Kinder und so weiter. Dieser Stress ist zwar deutlich weniger akut, wie wenn es, wie beim Tigerbeispiel, um Leben und Tod geht. Aber er ist dauerhaft da, und das ist ein deutlicher Unterschied zu früher. Auch die Belastung durch Umwelteinflüsse wie Abgase ist gestiegen. Diese muss der Körper unter Verbrauch von Vitaminen und Mineralstoffen mit seinen Entgiftungssystemen unschädlich machen, die eigentlich nur für körpereigene giftige Stoffwechselprodukte konzipiert sind.